Die Heilung der Aussätzigen

Nicht auszuschließen, dass heuer wieder mal stattfinden wird, was ich das „nachösterliche Gespräch“ nenne. Ort des Dialogs ist in aller Regel der Mittagstisch in der Kantine, direkt nach Ostern am Dienstag, spätestens Mittwoch. Eingeleitet von einem Kollegen verläuft die Unterhaltung sinngemäß meist so:
„Da war ja wieder mal der Bär los heuer. Drei Stunden sind wir alleine schon am Brenner gestanden. Und das, obwohl wir diesmal am Freitag früh um 3 Uhr schon losgefahren sind. Am Nachmittag sind wir erst angekommen. Aber es hat sich gelohnt. Die Freiertage in der Toskana waren einfach herrlich.“
Zu mir gewandt die kurze Frage: „Seid ihr weg gefahren?“
Ich antworte: „Nein, wir waren zuhause, ich mag kein Stauerlebnis.“
„Na ja, stimmt schon, man verliert viel Zeit auf der Strasse, aber zuhause hänge ich nur rum an den Feiertagen, und einfach nur die Zeit vorm Fernseher totschlagen, das mag ich nicht. Wenn das Wetter nicht mitspielt ist halt zu dieser Jahreszeit noch nicht viel geboten bei uns. An Pfingsten wird’s schon einfacher.“
„Stimmt nur teilweise. Unsere Kirchen z. B. laufen an Ostern regelmäßig zur Hochform auf. Da ist schon was geboten, das kannst’ mir glauben.“
„Ach nee jetzt, oder? Du wirst mir doch jetzt nicht erzählen wollen ich soll meine kostbare Freizeit in der Kirche verbringen?“
„Sicher nicht die ganze Zeit, es gibt keine Feier, die den ganzen Tag dauert. Aber letztendlich wurden doch einmal diese Feiertage genau dafür geschaffen, Karfreitag und Ostermontag gesetzlich freigestellt, weil die Vorfahren offenbar ein existenzielles Interessen an Kreuzverehrung und Auferstehung hatten, und das hinauf bis in die Führungsspitzen von Wirtschaft und Staatsverwaltung. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass es Ostern auch dann noch geben würde, wenn kein Mensch mehr sagen könnte, warum diese Feiertage existieren. So ungefähr wie bei Fronleichnam. Ostern hat in unserer modernen Zeit eine enorme Bedeutung für die Wirtschaft, denn nur ein einziges Mal im Jahr gibt es planbare, zusammenhängende vier Tage, an denen der hoch drehende Wirtschaftsmotor steht. Weihnachten verschiebt sich dauernd und Pfingsten ist um einen Tag zu kurz. Zu keiner anderen Zeit im Jahr können so viele Computer Anwendungen ohne Umsatzverlust umgestellt und gewartet werden, als in der Zeit von Gründonnerstag nach Geschäftsschluss bis Ostermontag um Mitternacht. SAP Umstellungen ohne österliche downtime – absolut undenkbar.“
„Du hast eben eine Vorliebe für’s Esoterische. Das du deshalb gerne in die Kirche gehst ist ja rein deine Sache. Aber sag’ mal, ganz ehrlich: Zahlst du dafür eigentlich auch noch Kirchensteuer?“
„Ja, schon.“
„Wahnsinn – du musst ja Geld haben.“

Ich würde nicht behaupten wollen, dass ich zu extremer Vaterlandsliebe neige. Ich bin kein unterwürfiger Chauvinist aus Wilhelminischer Zeit, wie beispielsweise in Heinrich Mann’s Roman „Der Untertan“ eindrucksvoll beschrieben. Allerdings bin ich auch niemand, der sich andauernd für die jüngste Deutsche Geschichte schämt. Einfach gesagt, ich lebe und arbeite gerne in diesem Staat und genieße seine Vorzüge. Bis auf ein einziges Mal, es war an diesem Labor Day vor wenigen Jahren. Da war ich so stolz ein Deutscher zu sein, man kann sagen, dieses Bewusstsein machte mich fast besoffen. Der Tag der Arbeit wird in den USA immer am ersten Montag im September gefeiert. Es war Mittag und jeder in meiner Gruppe hatte Hunger. Wer von uns besorgt etwas zum Essen? Wir spielten wieder: Wer sich als erster „bewegt“ hat verloren. Ich konnte meinen Mund nicht halten, machte einen Vorschlag, und bingo, schon war ich für die Umsetzung auserkoren: Pizza holen, aber zügig! Blöd gelaufen, dachte ich, aber trotzdem halb so wild, ganz in der Nähe wusste ich eine Pizzeria. Nur war sie geschlossen. Feiertag eben. Ein paar Leute auf dem Parkplatz wussten eine Pizzeria die sicher offen hatte, drüben in New York, im Bundesstaat, nicht in der City, das wäre zu weit gewesen. Ungefähr 20 Minuten dauerte die Fahrt. In diesem Land wird gemütlich gefahren. Das Wichtigste habe ich bei mir, dachte ich: Meine Kreditkarte. Man kann überall und sogar kleinste Beträge per Kreditkarte bezahlen, nur nicht in dieser besagten Pizzeria. Der Besitzer ist ein furchtbar netter Kerl, aber eben nur bares ist für ihn wahres! Etwa 170 Dollar betrug am Schluss die Rechnung, knapp 80 hatte ich noch in meiner Geldbörse. Die Möglichkeit, mit der Kreditkarte Geld am nächsten Bankautomaten abzuheben blieb mir verwehrt, die PIN Nummer der neuen Karte hatte ich einfach noch nicht im Kopf. Nüchtern betrachtet war ich in einer peinlichen Situation: Ich konnte meine Bestellung nicht bezahlen, weil ich an mein Geld nicht ran kam. „Ich gebe dir mein ganzes Bargeld, bestätige den Fehlbetrag auf der Rückseite des Kassenzettels mit meiner Unterschrift, und bringe dir das Geld morgen vorbei, bist Du damit einverstanden?“ Es war das Einzige, was ich zu bieten hatte. Der Geschäftsinhaber musterte mich einen Augenblick, dann kam das rettende „okay“. Als ich am darauf folgenden Tag die Pizzeria betrat, empfing mich das breite Grinsen des Besitzers. Er gab mir meinen „Schuldschein“, ich ihm sein restliches Geld. Wir flachsten noch ein wenig, dann war ich beim Verabschieden und bedankte mich nochmals sehr für sein großzügiges Vertrauen in mich. Seine Gesichtszüge wurden ernst und dann sagte er etwas Einmaliges: „Keinem hier hätte ich das Geld geliehen, wirklich niemandem. Aber dir konnte ich vertrauen, ich weiß wie gründlich ihr Deutschen in solchen Dingen seid, ich habe selbst zwei Jahre in Oberhausen gelebt. Den Deutschen vertraue ich“. Wahnsinn, dachte ich auf der Rückfahrt. Du bist in einem fremden Land, niemand kennt dich, hast zuwenig Geld, und bist nur wegen deiner Nationalität immer noch kreditwürdig. Gut, es war kein Riesenbetrag, aber es ging hier ums Immaterielle. Das war echt neu für mich. In diesem Augenblick verspürte ich einen solchen Stolz zu diesem Volk zu gehören, wie gesagt: Ich war wie besoffen davon. Aber glücklicherweise fährt man sehr gemütlich dort.

Kennen Sie eigentlich die Erzählung, wo Jesus durch das Land zieht und plötzlich auf zehn Aussätzige trifft? Aussatz, auch bekannt als Lepra, das ist eine der scheußlichsten Krankheiten. Ansteckend, dahinsiechend, in damaliger Zeit unheilbar, hatten die Menschen nicht nur unter den Auswirkungen dieser Krankheit an sich zu leiden, sondern zusätzlich noch an einer grausamen Isolation. Keinem anderen durften sie sich nähern. Sie mussten sich schon von weitem als Aussätzige zu erkennen geben, wenn sie auf Leute trafen. Jesus heilt alle zehn Aussätzigen, und sie trennen sich. Aber nur einer der Geheilten, ein Samariter, kommt zu ihm zurück um sich für die Heilung zu bedanken. Diese Geschichte meine ich (Lukas 17, 11.19), Sie kennen sie? Als ich dieses Evangelium kürzlich wieder hörte, musste ich plötzlich an mein Erlebnis vom Labor Day denken. Mir fiel ein Zusammenhang auf von dem ich denke, dass er es wert ist veröffentlicht zu werden. Dieses Evangelium kann sehr modern erzählt, um nicht zu sagen interpretiert, werden.

In einer Zeitschrift sah ich Bilder von Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg, München. Um welche Stadt es sich handelt konnte man aber nur wissen, wenn man die Unterschrift unter den Bildern las, denn alle fünf Städte sahen praktisch völlig gleich aus: Soweit das Auge reicht Häuserskelette, deren Außenmauern mit ihren Fensterlöchern rußgeschwärzt in den Himmel ragen, und einen „entkernten“ Innenhof umschließen. Nach außen, zur Straße hin, ein gewaltiger, schräg abfallender Schuttberg. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Spiegelbild, sodass in der Straßenmitte nur ein schmaler Weg bleibt. Luftaufnahmen deutscher Stätte vom Juni 1945. Wenn man diese Bilder sieht und sich die Ächtung der Deutschen in ganz Europa und vielen Teilen der übrigen Welt gleichzeitig hinzudenkt, dann stellt sich unwillkürlich ein würgendes Gefühl der Aussichtslosigkeit ein. Aussätzige in einer Trümmerwüste, die sie Heimat nennen. Wer den Menschen damals die Bundesrepublik des beginnenden 21. Jahrhunderts beschrieben hätte, den hätte man sicher für einen Spinner gehalten. Denn erwarten musste man realistischerweise eine ganz andere Entwicklung: Denken Sie an den Libanon zum Beispiel, der einmal die Schweiz des Nahen Ostens war. Und heute? Oder Somalia mit seinen Kulturstätten, untergegangen in Anarchie und Chaos, geführt von Warlords. Für Deutschland dagegen begann in der Mitte der Nacht der neue Tag. Eine unwahrscheinlich glückliche Entwicklung, welche damit begann, dass der Krieg zwar lange genug dauerte, um den Chauvinismus auszurotten. Keine „Dolchstoß“ Legende mehr, die auch diesmal wieder ein Fünkchen Hoffnung zuließe: Es hätte ja doch noch klappen können. Nein, nur totaler Untergang. Andererseits endete der Krieg aber gerade noch rechtzeitig, um den Einsatz der ersten thermonuklearen Bomben über Deutschland zu verhindern. Zwischen der Kapitulation am 9. Mai und dem Abwurf der ersten Atombombe am 6. August 1945 über Hiroshima liegt geschichtlich betrachtet nur die Zeitspanne eines Wimpernschlages. Diese Bombe, das wissen wir heute sehr genau, wurde auch entwickelt für den Einsatz gegen Deutschland. Eine unwahrscheinlich glückliche Fügung für unsere Nachkriegsrepublik.

Die Briten wollten einen abermaligen Krieg in Europa, zumindest aber gegen sie selbst, unter allen Umständen verhindern und unterstellten, dass dieser wieder von Deutschland ausgehen würde. Ein wirtschaftlich armes, und dadurch politisch-militärisch unbedeutendes Deutschland, so ihr damaliges Kalkül, würde der beste Garant für Frieden sein. Ihre  Umsetzungsidee aber, welche sie auch durchzusetzen in der Lage waren, nämlich deutsche Waren in der Welt künftig durch die Zwangskennzeichnung „Made in Germany“ zu ächten, verwandelte sich auf wundersame Weise ins genaue Gegenteil. Produkte, ja sogar Dienstleistungen, made in Germany waren und sind begehrt in der Welt, bis heute. Diese britische Idee wurde unter anderem maßgeblich für das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit, und gab den Deutschen nicht nur Stolz und Ansehen wieder zurück. Made in Germany ist mit verantwortlich dafür, dass Deutschland heute zu den größten Volkswirtschaften der Welt zählt und zu einer der erfolgreichsten Exportnationen. Dass es zur Wirtschaftslokomotive in Europa geworden ist, zum größten Beitragszahler in die Gemeinschaft, zu einer tragenden Säule für die Gemeinschaftswährung, und sich dies bislang alles leisten kann. Ungewollt und ungeplant ist jetzt fast das erreicht worden, was lange Zeit mit Gewalt erzwungen werden sollte, eine gewisse Hegemonie in Europa. Vor diesem Hintergrund, auch das klingt völlig unfassbar, kein Beitritt eines Staates zur Europäischen Gemeinschaft, bei der nicht vor allem eine Regierung konsultiert wurde und wird – die Deutschen! Na, ist nun mal so, mögen Sie vielleicht denken. Dann versetzen Sie sich doch jetzt einmal in die Perspektive des Sommers 1945. War so etwas realistisch zu erwarten? Wieder eine glückliche Fügung.

Die Regierungen der Bundesrepublik haben auch endlich gelernt, die preußisch-wilhelminische bzw. nationalsozialistische Arroganz nachhaltig abzulegen. Diese Republik bringt die Größe auf, durch Herbert Ernst Karl Frahm, besser bekannt unter seinem Decknamen Willy Brandt, einen Kniefall zu wagen, in Warschau, am Ehrenmal des jüdischen Ghettos. Und sie wird von so vielen in der Welt dafür beachtet, verwundert, bewundernd, und schließlich mit dem heiß begehrten und so notwendigen Vertrauen beschenkt. Dann der 9. November 1989: Mauerfall, ein Ereignis, das zum großen Gedenktag wurde. Bewirkt durch die Revolution der Massen, bei der kein einziger Schuss fiel. Friedliche Revolution heißt so etwas und ist alles andere als selbstverständlich. Arabische Staaten in Nordafrika sind ein aktuelles Gegenbeispiel dafür. Doch es gibt noch Menschen, für die korreliert dieser Tag mit einem anderen 9. November – der Reichskristallnacht 1938. Was dort begann und zur Teilung der Nation führte wird hier beendet durch deren Wiedervereinigung. Dass beides auf das gleiche Tagesdatum fiel sehen viele als Zeichen. Ein überaus deutliches Zeichen. Der Kreis hat sich geschlossen. Das Alte ist nur noch Geschichte. Das untergegangene Reich ist in seinem Kern wieder hergestellt worden, „renoviert“ zur wiedervereinigten Bundesrepublik. Albrecht Martin, Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU von 1984 bis 1990, bringt dieses Ereignis auf den Punkt: „Mir liegt alle Geschichtstheologie fern, sofern es sich um eine politisch relevante Erklärung geschichtlicher Abläufe handelt. Ich weiß sehr wohl, welche Bedingungen gegeben sein mussten, damit die Mauer fallen und unser Land wieder zur Einheit kommen konnte. Aber es ist erlaubt, in dem 9. November 1989 ein Zeichen dafür zu sehen, dass Reichskristallnacht und Auschwitz zwar einen furchtbaren Fall, aber nicht das Ende der deutschen Geschichte bezeichnen. Und der Christ kann, und er darf wohl dabei auf das Verstehen seiner jüdischen Freunde hoffen, im 9. November 1989 ein Zeichen der vergebenden Liebe Gottes sehen.“ An dieser Stelle darf man nie vergessen, dass es auch eine ganz andere Entwicklung hätte geben können. In Korea, ebenfalls durch einen Krieg geteilt, stehen sich bis heute der Norden und der Süden unversöhnlich gegenüber. An eine friedliche Wiedervereinigung ist nicht zu denken. Kürzlich sah es sogar nach einem erneuten Kriegsausbruch aus. Dieses Beispiel unterstreicht sehr deutlich die Aussage von Albrecht Martin. Erneut eine glückliche Fügung für unser Land.

Doch neben der materiellen und geografischen „Renovierung“ unseres Landes ist dessen wieder gewonnene politische Reputation vielleicht am bemerkenswertesten. In dem Interview von Silke Mertins von der „Welt am Sonntag“ vom 5. August 2006, geführt in Jerusalem, sagte der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wörtlich: „Es gibt derzeit kein Land, das Israel freundlicher gesonnen ist als Deutschland.“ Ich meine, das hat sich aber schon mal ganz anders angehört, da muss schon gewaltiges passiert sein in der besonderen Beziehung dieser beiden Staaten. Weiterhin bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch die kürzliche Äußerung eines Journalisten im sonntäglichen Presseclub im Fernsehen. Dem Einwurf eines anderen Journalisten in der Diskussionsrunde, dass irgendwelche Terrorstaaten versuchen den Weltfrieden zu zerstören, fügte er hinzu, dass diese „Rolle“ im vorigen Jahrhundert doch Deutschland gespielt habe. Heute hat Deutschland einen nicht ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat, was doch ausdrückt, dass es die internationale politisch-moralische Anerkennung wiedererlangt hat, und das Bemühen und Abmühen Deutschlands um und mit dem Weltfrieden anerkannt wird. Und schließlich sei noch an die Erkenntnis erinnert: „Wir sind Papst“. Das international besetzte Konklave brachte das Jahrtausendereignis zustande, einen deutschen Kardinal ins höchste Amt der katholischen Kirche zu wählen. Vor dem Hintergrund, das dieser glaubhaft versichert, dieses Amt gar nicht gewollt zu haben. Offenbar kein „Gemauschel“ oder Ämterkauf, wie es zum Beispiel im Sport üblich wird, denken Sie an die jüngste Vergabe der Fußballweltmeisterschaft. Auch hier wird deutlich: Es ist viel, viel „geheilt“ worden in diesem Lande, an diesem Volk. Was heißt viel; eigentlich doch alles. In welch kurzer Zeit! Das ist der vorläufige Zwischenstand, aber nicht das Ende deutscher Zeitgeschichte. Und wie endet die Geschichte bei Lukas? „Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind die Neun? Haben sich sonst keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott Ehre zu geben, außer diesem Fremdling?“

Wir wollen die Kirche im Dorf lassen. Statistiker haben ermittelt, dass die beiden christlichen Kirchen in Deutschland am Wochenende gewöhnlich immer noch mehr Menschen mobilisieren als die Bundesliga. Bei jüngeren Umfragen liegt die Zahl der Jugendlichen, welche angeben an Gott zu glauben, im hohen zweistelligen Prozentbereich. Jedoch, es ist eine Tendenz, die nachdenklich stimmt. Das Leiden Christi wird anerkannt. Ja. Aber immer mehr als rein historisches Geschehen. Die Zeitschriftenläden sind voll mit Journalen, die über den historischen Jesus schreiben. Jesus hat gelebt, kein Zweifel. Gerade so wie unser Nachbar auch. Also nichts Ungewöhnliches oder gar Besonderes. Genau diese „Denke“ ermöglicht dann den nur noch kleinen Schritt zur neuen Mode, Jesus auch mal in einen Sketch einer Satiresendung einzubauen. Wie „die Angie“ zum Beispiel. „Was hängst du denn heute wieder so schlapp rum wie Jesus am Karfreitag?“ tönte es jüngst in einer spätabendlichen Comedyshow im WDR. Ist das nicht ein Lacher? Wir leben nicht in Islamabad, wo es einen Blasphemieausschuss gibt. Wer dort etwas ähnliches vom Propheten erzählt, genau für den ist dieser Ausschuss zuständig. Er sorgt dafür, dass für einen Komiker, Entschuldigung – Comedian wollte ich sagen, ein solcher Spruch zu einem „einmaligen“ Erlebnis in seinem Leben wird. Aber das trifft die wahre Realität nicht, die hinter dieser Aussage, hinter dieser Haltung liegt. Dieser Mensch wendet sich ab von Gott und der Welt zu, einer grässlichen Bestie. Weg von der Liebe. Wie ein Kind, welches sich von der Hand des Vaters losreißt und zum Flussufer rennt. Das fließende Wasser sieht so harmlos aus, so attraktiv. Das Kind will nur mal die Hand rein halten und stürzt dabei kopfüber in den Fluss, noch bevor es der herbeigeeilte Vater zu fassen bekommt. Die Strömung zieht es schnell weg und unter Wasser. Der Kopf taucht noch ein paar Mal auf, dann ist das Kind verschwunden, für immer, fern und allein. Das ist die wahre Realität! Vor der uns der Volksmund mit übergroßer Erfahrung eindringlich warnt. Aber manche, so scheint es, wollen einfach ganz genau wissen ob sie auch stimmt, diese Erfahrung. Ob’s wirklich so ist. Sie wollen ausprobieren ob es zuverlässig eintrifft, was wir bereits immer öfter hören, sehen, lesen, erfahren

Wenn Menschen gottlos werden:

sind Regierungen ratlos,
Lügen grenzenlos,
Schulden zahllos,
Besprechungen ergebnislos,
Aufklärungen hirnlos,
Politiker charakterlos,
Christen gebetslos,
Kirchen kraftlos,
Völker friedlos,
Sitten zügellos,
Mode schamlos,
Verbrechen maßlos,
Konferenzen endlos,
Aussichten trostlos.

Günter Stumfoll
Ostern 2011

Ein Gedanke zu „Die Heilung der Aussätzigen“

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