Umgang mit Fremden

Heimatlos Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Natur-, Umwelt und Hungerkatastrophen, Bürgerkriege und militärische Konflikte, Diktaturen, Diskriminierung und Gewalt gegen Minderheiten oder Andersgläubige, Vertreibung, Arbeitslosigkeit, Armut keine oder nur geringe Bildungschancen. Es gibt viele Gründe, warum wir diesen Menschen helfen sollten.

Nach der Genfer Flüchtlingskonvention1, der EU-Menschenrechtskonvention2, dem Grundgesetz3 und dem Asylgesetz4 sind wir in vielen Fällen sogar dazu verpflichtet. Daneben gibt es auch eine moralische, eine historische und eine Christenpflicht, den Asylsuchenden zu helfen. Dementsprechend nimmt Deutschland vor allem die Fremden auf, die verfolgt werden. Insbesondere die politisch Verfolgten, aber auch Menschen, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit, Religion oder einer sozialen Gruppe verfolgt werden. Die Furcht vor Verfolgung allein reicht für eine Asylgewährung in Deutschland nicht aus. Bei individueller Gefahr besteht allerdings ein Schutzrecht vor Abschiebung. Allgemeine Notsituationen, wie Armut, Bürgerkriege, Naturkatastrophen oder Perspektivlosigkeit, sind keine ausreichenden Gründe für eine Asylgewährung in Deutschland. Oft kommen mehrere Ursachen zusammen. Für die Asylgewährung gibt es deshalb klare staatliche Regelungen, die den aktuellen Situationen immer wieder angepasst werden müssen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen gibt es derzeit 59,5 Millionen Flüchtlinge weltweit. 27,5 Millionen davon wurden aufgrund von bewaffneten Konflikten innerhalb ihrer Heimatländer vertrieben. Den weltweit steigenden Zahlen an Hilfsbedürftigen kann nur geholfen werden, wenn alle Länder zusammenarbeiten. 

Abwanderungen Die Zahl der Asylsuchenden hat 2015 in Deutschland einen Rekord erreicht. Der Ausländeranteil in Deutschland liegt seit Jahren zwischen 8 – 9% und steigt nun etwas über 10% an. In der Schweiz liegt der Ausländeranteil seit Jahren über 20%. Die Statistiken zu den Wanderungsbewegungen zeigen, dass bis zu 800.000 Menschen jährlich aus Deutschland wegziehen. Darunter befinden sich mehr als dreiviertel Ausländer. Als Ursachen für Abwanderungen werden das fehlende Heimatgefühl, wirtschaftliche und berufliche Gründe genannt.

Bibel Die Bibel berichtet an mehreren Stellen in den Vätergeschichten über Flucht und das Leben als Fremdlinge. Abraham und Isaak flüchten wegen Hungersnöten, ebenfalls Noomi. Jakob flüchtet vor seinem Bruder. Mose, David und Jesus können als politische Flüchtlinge betrachtet werden (Exodus 2,11-15, 1. Samuel 20,1, Matthäus 2,13-15).

Geschichte In der Geschichte des Judentums finden wir vom Anfang bis heute politische Verfolgung, Vertreibung, Ermordung und Exil in einem unfassbaren Ausmaß. Jerusalem wurde mehrfach besetzt und zerstört. Heute noch wird Israel ständig mit Raketen angegriffen. Heute noch werden Juden auf der ganzen Welt angefeindet und vertrieben. Auch in der Geschichte des Christentums kam es von Anfang an zu Verfolgungen und Vertreibungen, die bis heute noch anhalten. Von den jetzigen Flüchtlingen aus Syrien sind über 20% Christen. Politisch und/oder religiöse Kämpfe mit Vertreibung und Verfolgung gibt es zwischen den Religionsgemeinschaften und auch innerhalb den Religionsgemeinschaften. Zu nennen sind hier die Kreuzzüge 1096-1254, der 30-jährige Krieg 1618-1648, die Verfolgung, Vertreibung und unfassbare Ermordung von 6 Millionen Juden durch die Nazis. Wie viele „Christen“ haben dabei mitgewirkt, davon profitiert, tatenlos zugesehen?

Vertreibung und Flucht Zwischen 1830 und 1870 sind 2,5 Millionen Deutsche wegen Armut vor allem nach Nordamerika ausgewandert. Nach der Kapitulation von 1918 flohen 1,2 Millionen Menschen von Polen, dem Elsaß und den ehemaligen deutschen Kolonien in das Deutsche Reich. Im zweiten Weltkrieg wurden 1,5 Millionen Polen zwangsumgesiedelt. 1,2 Millionen Ungarn, Serben, Kroaten, Rumänen, Bulgaren und Griechen flüchteten vor den Nazis. 9 Millionen Menschen wurden von den Nazis als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. 1945 sind ca. 14,5 Millionen Menschen aus Osteuropa vertrieben in den Westen geflüchtet. Schätzungsweise sind 15% davon auf der Flucht umgekommen.

Fazit Der Mensch ist des Menschen größter Feind!

Nächstenliebe Was sagen die Heiligen Schriften zum Umgang mit Fremden und Asylsuchenden?

Nach Exodus 20,10 mussten sich die Fremden auch an die Regeln halten.

Exodus 20,10 … der siebte Tag ist ein Sabbat für den HERRN, deinen Gott. Da wirst du keine Arbeit tun, du und dein Sohn oder deine Tochter, dein Knecht oder deine Magd noch dein Vieh oder der Fremde bei dir, der in deinen Toren wohnt.

Levitikus 19,18 …Du wirst deinen Nächsten lieben wir dich selbst. Ich bin der HERR.

Nach Levitikus 19,33-34 und Matthäus 25,34-35 gehört der Fremde auch zu unserem Nächsten und hat Rechte und Pflichten. Das Gebot der Nächstenliebe gilt auch für die Fremden.

Levitikus 19,33-34 Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde sein, der bei euch als Fremder lebt. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. Ich bin der HERR, euer Gott.

Deuteronium 10,19 Auch ihr sollt den Fremden lieben; denn ihr selbst seid Fremde gewesen im Land Ägypten.

Deuteronium 14,29 Denn der Levit, der keinen Anteil und Erbbesitz mit dir hat, der Fremde, die Waise und die Witwe, die an deinem Ort wohnen, sollen kommen und sich satt essen, damit der HERR, dein Gott, dich segnet bei aller Arbeit deiner Hände, die du tust.

Psalm 146,9 Der Herr beschützt die Fremden
den Waisen und Witwen verhilft er zu ihrem Recht.
Der Herr liebt die Gerechten,
doch den Weg der Gottlosen verkrümmt er.

Jesaja 58,7 Bedeutet es nicht, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und heimatlose Elende ins Haus führst?

Matthäus 25,34-35 Da wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her ihr Gesegneten meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich hungerte und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war durstig und ihr habt mit zu trinken gegeben, ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen.

Matthäus 25,40 Darauf wird der König ihnen antworten: Wahrhaftig sage ich euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Römer 15,1 Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Schwachen zu tragen und nicht selbstgefällig zu leben. Jeder von uns lebe um anderen zu helfen, ihm als Vorbild und um ihn aufzubauen.

1 Timotheus 2,3-4 Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

1 Joh 4,20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er vor Augen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht vor Augen hat.

Pinchas Lapide betont, dass Jesus auf die Frage, was das wichtigste Gebot sei, zwei Schlüsselstellen aus der Tora zitiert (Deuteronium 6,5 und Levitikus 19,18). „Da die Fremdlingsliebe viel früher Erwähnung findet als die Gottesliebe, so folgern die Rabbinen, dass nur derjenige, der seinen Nächsten liebt, auch imstande ist, seinen Schöpfer zu lieben. Anders gesagt: Der Weg zu Gott führt einzig und allein über deinen Nächsten.“5

Vgl.: Genesis 12, 23, 26 und 27, Exodus 2, Levitikus 19, Deuteronium 10 und 26, Rut 1, 1 Samuel 20, Psalm 146; Johannes 4, Hebräer 11

Der Asylsuchende soll von uns gut behandelt werden, egal aus welchen Gründen er Asyl sucht.

Er ist wie du! Genauso schwach, gebrechlich, hinfällig und den Ängsten ausgesetzt wie du selbst.6

Helfen Wir erleben eine enorme Hilfsbereitschaft in Deutschland. Diese Hilfsbereitschaft der freiwilligen Helfer kann nicht befohlen werden. Ein „Wir schaffen das“ der Kanzlerin reicht nicht aus. Es ist die innere Stimme in uns, es ist der Heilige Geist, der bewirkt, dass wir alle Geschöpfe Gottes lieben. Diese Liebe wird belohnt. Wir sind alle eins im HERRN. „Der Nächste ist immer ein Stück von dir; in jedem Mitmenschen steckst du selbst keimhaft drin. … jeder Haß ist zutiefst gesehen: Selbsthaß. Jeder Liebeserweis ist eigentlich ein Dienst-am-Ich.“7

1) Vgl. www.unhcr.de/mandat/genfer-fluechtlingskonvention.html

2) Vgl. Verfahrensrichtlinie 2013/32/EU und Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU in Deutschland in §3 AsylGesetz eingeflossen

3) Vgl. Grundgesetz Art. 16a Abs. 1 http://www.gesetze-im-internet.de/gg/index.html siehe hierzu auch http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylrecht/asylrecht-node.html

4) Vgl. http://www.gesetze-im-internet.de/asylvfg_1992/

5) Lapide, Pinchas, Er predigte in ihren Synagogen,
Gütersloh 1980, S. 85
6) Vgl. Lapide, S. 88
7) Lapide, S. 89

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