Innere Freude

Hans im Glück

Hans bekam für sieben Jahre treuen und ehrlichen Dienst einen Goldklumpen so groß wie sein Kopf war. Auf dem Nachhauseweg traf er einen fröhlichen Reiter auf seinem Pferd. Hans bewunderte das mühelose Vorankommen mit dem Pferd. Der Reiter machte ihm das Angebot, das Pferd für den Goldklumpen einzutauschen. Hans geht darauf ein. Das Pferd warf Hans ab. Hans tauschte das Pferd bei einem Bauer gegen eine Kuh, die ihn – beim Versuch sie zu melken – trat. Dann tauschte er die Kuh bei einem Metzger gegen ein Schwein. Weil er von einem Burschen erfuhr, dass das Schwein womöglich gestohlen war, tauschte er das Schwein gegen eine Gans. Zuletzt tauschte er die Gans bei einem Scherenschleifer gegen einen Wetzstein und einen schweren Feldstein, der am Boden lag. Der Scherenschleifer sagte ihm, dass er auf dem Feldstein krumme Nägel wieder gerade klopfen könne.

Hans beurteilte die Dinge nicht nach dem realen Wert. Bei jedem Tausch sah Hans einen Vorteil für sich, freute sich und war zunächst zufrieden. Doch jeder Besitz brachte nach kurzer Zeit auch eine Last mit sich. Die anfängliche Freude wich neuem Verlangen. Zuletzt fallen ihm der Wetzstein und der Feldstein in einen Brunnen. Nun fühlte sich Hans von allen Lasten befreit:

Hans, als er sie mit seinen Augen in die Tiefe hatte versinken sehen, sprang vor Freuden auf, kniete dann nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und ihn auf eine so gute Art, und ohne dass er sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von den schweren Steinen befreit hätte, die ihm allein noch hinderlich gewesen wären. ‚So glücklich wie ich,‘ rief er aus, ‚gibt es keinen Menschen unter der Sonne.‘ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.“
(http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/hans_im_glueck)

Friedrich Eras ist erstaunt darüber, …“wie fromm dieser Hans am Schluss sein ganzes Glück als ein Geschenk Gottes deutet und sich inbrünstig dafür bedankt?“ und er fragt sich, ob die Aussteiger nicht die Glücklicheren sind? (Eras 99-101)

Anselm Grün erkennt in dem scheinbar dummen Hans den glücklichsten Menschen der Welt. Es erscheint ihm paradox, dass Hans am glücklichsten erscheint, als er alles verloren hat. Pater Anselm fragt nach der Ursache dieser Freude. Was macht den Menschen glücklich? Reichtum und Besitz (Gold), Stärke, Selbstbewusstsein, Erfolg (Pferd), Frucht, die wir hervorbringen (Kuh), vordergründiger oder verfeinerter Genuss (Schwein, Gans), Arbeit die Spaß macht und zugleich Geld einbringt (Wetzstein)? Alles kann vorübergehend zur Quelle der Freude werden. Aber können wir uns wirklich dauerhaft darüber freuen? „Es erscheint schon paradox, dass Hans gerade dann, als er alles verloren hat, am glücklichsten ist.“ Hinter dem Märchen sieht Pater Anselm einen Lernprozess, wie man das wahre Glück und die bleibende Freude finden kann. „Wirklich freuen kann sich nur der, der sich über sich selbst freut, der sich über den Augenblick freut, der sich an seiner Freiheit, an seinem Leben, der sich am Schluck Wasser und an der frischen Luft freuen kann und der voll Freude nach Hause geht…. Auf unseren Weg in die endgültig Heimat bei Gott können wir nichts mitnehmen.“ (Grün 53-56)

Anselm Grün unterscheidet in seinem Buch drei Wege zur Freude: Zunächst müssen wir alle Gefühle zulassen und hinterfragen, was sie uns sagen wollen. Es gibt nicht nur eine, unsere vordergründige Sicht der Wirklichkeit. Wir haben die Freiheit, die Ereignisse auch anders zu bewerten, die Bewertung anderer gelten zu lassen. Wir können die Ereignisse anders betrachten.„Mit den Augen des Glaubens auf die Welt schauen.“ Wer dies tut, stößt nach Pater Anselm nicht nur auf Gott, sondern in seinem Herzen auch auf die Freude. Die belastenden Gefühle wie Ärger und Wut, Angst und Traurigkeit, Eifersucht und Neid können sich wandeln.

Dann können wir Ereignisse, die Freude auslösen, beeinflussen. Wir können uns etwa mit angenehmeren Dingen umgeben. Wir können uns an der Natur, oder an Kleinigkeiten erfreuen. Im Augenblick sein, sich von den täglichen Sorgen distanzieren. Nicht nur auf uns schauen, um uns selber kreisen, nicht ständig jammern sondern den Blick auf das Schöne, auf das Gute richten.

Als dritten Weg sieht Pater Anselm die Spiritualität, die Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus. Indem ich oft in den Raum des Schweigens eintrete, in dem Gott in mir wohnt, bekomme ich Anteil an der göttlichen Freude. Diese innere Freude besitzt eine Kraft. Diese innere Freude kann mir niemand mehr nehmen. (Grün 67-73)

Es gibt also eine innere Freude, die Freude in und an Gott, die Freude in Jesus Christus. Auch wenn ich mich manchmal nicht so gut fühle, wenn ich mit dieser inneren Freude in Kontakt komme, richtet sie mich immer wieder auf. Wenn wir die Süße von Gottes Gegenwart einmal geschmeckt haben, halten wir manche Freuden dieser Welt nur für sinnlose Zeitverschwendung.

Quellen:

Friedrich Eras, König David trifft das tapfere Schneiderlein, München 2003

Anselm Grün, Die eigene Freude wiederfinden, Stuttgart, Zürich 1998

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