Die Gottesgeburt im Seelengrund

Meister Eckhart predigte die Gottesgeburt im Seelengrund.

Gott will seinen Sohn, ja sich selbst in uns gebähren. Der Vater gebiert seinen Sohn ohne Unterlass und er gebiert  seinen Sohn in der Seele als seiner eigenen Natur.

Die Seele ist in ihrer Natur Gottes Ebenbild. Im tiefen Grund der Seele, in dem Reinsten und edelsten, wo niemals eine Kreatur oder ein Bild hineingelangt, wo das tiefe Schweigen ist, da gelangt nur Gott selber hinein mit seinem eigensten Wesen.

Dieser tiefste  Seelengrund soll sowohl Jungfrau als auch eine reife, gebährfähige Frau sein. Jungfrau heißt für Meister Eckhart frei von allen Bildern, völlige Stille, völlige Leere, vergessen aller Dinge. Frau sein heißt fruchtbar werden durch die Gabe Gottes – Gott empfangen.

Wie gebiert Gott seinen Sohn in der Seele? Nicht wie ein Bild und Gleichnis sondern nur mittels seiner selbst. Gäbe es dort noch irgendein Bild, könnte das Einswerden nicht stattfinden. Durch ein Bild kannst du nicht selig werden.

Es sind leibfreie Kräfte in der Seele, in denen dies alles geschieht. In dieser innersten Quelle ist alles eins.

Kann der Mensch etwas dazutun? Völlige Stille, völlige Leere das ist dein Allerbestes. Soll das Werk vollkommen sein, so muss Gott allein wirken, und du es allein erleiden. Du brauchst nicht nach ihm suchen, er ist nicht weiter als vor der Tür des Herzens. In demselben Augenblick, wo der Geist bereit ist, geht Gott in ihn ein, ohne Zögern und Verzug.

„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ (Offenbarung 3,20)

Meister Eckhart, Die Gottesgeburt im Seelengrund, Vom Adel der menschlichen Seele, Freiburg i.B. 1990,1999

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