Fasten

Ist fasten noch zeitgemäß? Sollen wir alle Jahre wieder fasten? Können wir mit Beten und Fasten etwas besonderes vollbringen? Hat Fasten einen besonderen Wert vor dem HERRN? Können wir  durch Fasten dem HERRN näher kommen? Fasten wir dem HERRN oder uns zuliebe?

Religiosität Forderungen, zu bestimmten Tagen oder Anlässen zu fasten, auf Essen und trinken zu verzichten, finden wir in vielen Religionen und Religionsgemeinschaften. Zum Religiössein gehören Verzichtsleistungen anscheinend dazu. In den Heiligen Schriften finden wir verschiedene Ursachen für das Fasten: Buße und Demütigung vor dem HERRN, vor wichtigen Entscheidungen, bei Todesfällen, bei besonderen Bitten, bei Umkehr und Versöhnung, Vorbereitung auf eine Begegnung mit dem HERRN. Es fasten einzelne Personen, Gruppen oder auch das gesamte Volk. Gefastet wird unterschiedlich lang: ein Tag, drei Tage, sieben Tage, vierzig Tage. Jesus lehnte darstellungssüchtiges Fasten als heuchlerisch ab. (Mt 6, 16-18). Er empfahl so zu fasten, dass andere es gar nicht mitbekommen. Im sogenannten Fastenkapitel, Jesaja 58,  fragen die Fastenden, was es für einen Sinn macht zu fasten, wenn der HERR es überhaupt nicht beachtet. Sie suchen durch ihr Fasten die Nähe des HERRN und dessen Hilfe. Der HERR macht klar, was ihm nicht gefällt: Fasten und gleichzeitig den Mitmenschen Unrecht antun, mit ihnen streiten und selber beim Fasten die Köpfe traurig hängen lassen. Dem rein religiös kultischen Fasten stellt der HERR ethisches Fasten gegenüber. Dem Hilfsbedürftigen helfen, dem Nächsten beistehen, und sich ihm nicht entziehen, das ist ein Fasten, das dem HERRN gefällt.

Umkehr  Wir können aus einem unermesslichen Angebot an Lebensmitteln und Getränken auswählen, was wir essen und was wir trinken wollen. Viel essen macht müde und einen belegten Kopf. Wir können nicht täglich ein Festmahl essen. Wir können unsere Fresslust, unsere Trunksucht und unsere Gier besiegen. Der Überfluss und das Überangebot in den westlichen Ländern ist enorm. Große Mengen an Lebensmitteln werden täglich weggeworfen. Die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion führt auf  vielen Gebieten zu Fehlentwicklungen. Immer wieder hören wir von Lebensmittelskandalen und von Skandalen in der Tierhaltung. Verzicht ist ein gewaltloses Mittel, wie wir Verbraucher Einfluss ausüben können. Der Verzicht beginnt beim Einkauf. Ein großes Feld tut sich da auf.  Jeder kann für sich täglich neu entscheiden, ob er auf etwas verzichten will und es nicht in den Einkaufswagen legt. Vielleicht auf billiges Fleisch, das mit Antibiotika in Tierfabriken produziert wird? Vielleicht auf Fisch, der mit Antibiotika in Tierfarmen großgezogen wird.? Vielleicht auf Fisch, dessen Bestand in den Meeren durch Überfischung gefährdet ist? Vielleicht auf Genmais? Vielleicht auf überzuckerte und künstliche Produkte? Was würde wohl passieren, wenn wir Verbraucher ein ganzjähriges Fasten ausrufen und freiwillig auf diese Produkte verzichten? Umkehren von ungesunden Gewohnheiten ist das Eine. Umkehren zum HERRN, ihn zu suchen ist etwas anderes, viel Bedeutenderes (siehe Joel 2). Die Bewohner von Ninive kehrten um, fasteten und demütigten sich vor dem HERRN und darum wurden sie gerettet.

Fasten Geht es beim Fasten darum persönlichen Beifall zu erhalten? Oder geht es darum etwas vom HERRN zu erhalten oder zu erzwingen? Oder ist Fasten der Schlüssel für das Unmögliche, der den Erfolg sicher stellt?  Beten und fasten hat eine besondere Verheißung (Vgl. 2 Chr 7,14).  Jeder ist eingeladen, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Meine sind: Ich lernte meine Gier kennen und erfuhr, dass ich sie bezwingen kann. Mein Kopf wurde freier, das Essen und trinken für mich genussvoller. Ich lernte, dass kleinere Mengen von allem genügen. Ich lernte, dass ich vieles zu mir nehme, das völlig überflüssig ist. Und ich lernte oftmals meine Schwachheit und auch meinen Stolz kennen. Es gibt aber auch ein Fasten, das der Heilige Geist bewirkt. Eines Tages hatte ich das Bedürfnis verborgen zu fasten, kannte aber keinen Grund dafür. Mitten im Jahr. Erst hinterher wurde mir bewusst. Es war die Vorbereitung auf eine unvorstellbare Offenbarung des HERRN. Ein menschlich gewolltes und ein gottgefälliges Fasten sind völlig verschieden. Ein menschliches Fasten macht nur Sinn, wenn damit auch Reue und Umkehr verbunden sind. Sonst fallen wir bald danach wieder in die alten Gewohnheiten zurück. Das gottgefällige Fasten bereitet uns auf die Gemeinschaft mit dem HERRN vor. Wenn wir uns auf die Führung des Heiligen Geistes verlassen, werden wir das Richtige tun. Er erweckt nicht nur den Wunsch in uns, er gibt uns auch die notwendige Kraft dazu. Der HERR will von uns keine Opfer. Der HERR will von uns Liebe. Wer dem HERRN dient, der opfert sich selbst.

„Ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus. Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit, und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Odachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen, und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen.“ Jesaja 58, 6-7

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei + 11 =