Vergebung

Wenn andere uns kritisieren, verletzen oder beleidigen, wie gehen wir damit um? Knallen wir die Türen zu? Reden wir nicht mehr miteinander?  Sind wir nachtragend oder fühlen wir uns angegriffen? Wehren wir uns und schlagen zurück? Was, wenn wir andere verletzen, kritisieren, beleidigen?  Entschuldigen wir uns dann und bitten um Vergebung? Wie ist es, wenn andere uns Unrecht antun? Wie fühlen wir uns in diesen Situationen? Können wir ohne Vergebung leben?

Schuld Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit ganzer Kraft. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Schaffen wir das? Bekommen wir die geforderte Ganzheit hin? Wir werden schuldig, wenn wir nicht auf den HERRN hören. Wir werden schuldig, wenn wir anderen das Leben schwer machen. Aber gelingt uns denn ein Leben, ohne andere hin und wieder zu verletzen? Schaffen wir es, immer gut miteinander auszukommen? Machen wir im Miteinander nicht immer wieder Fehler, die wir hinterher bereuen? Wir können es uns und unseren Mitmenschen oftmals nicht recht machen. Meist sind es Worte, die andere verletzen. Ärger und negative Emotionen schwingen in unseren Worten mit. Die Gehirnforscher erklären uns, dass bei negativen Worten Stresschemikalien ausgeschüttet werden. Gelingt es uns, andere nicht zu verurteilen? Sind wir nicht selbst bei jeder Kleinigkeit verärgert, eingeschnappt oder gekränkt? Ziehen wir nicht ständig über Abwesende her und wenn wir ihnen begegnen verhalten wir uns ihnen gegenüber unehrlich und falsch? Ist nicht durch unser hintenherum schlecht reden die Atmosphäre vergiftet? Ehren wir unseren HERRN und unsere Mitmenschen nur mit den Lippen und  unsere Herzen sind weit entfernt von ihnen? Können wir unsere Fehler zugeben oder leugnen wir sie ab, wenn andere sie uns vorwerfen? Können wir anderen ihre Fehler vergeben oder entfernen wir uns innerlich und äußerlich von ihnen, weil sie Fehler machen? Schuld gefährdet die Beziehung. Sie bewirkt oft Trennung vom Partner, vom Mitmenschen. Was häufig bleibt ist Streit, Traurigkeit, Bitterkeit, Hass, Rachsucht, Zorn, – manchmal auch lebenslange Trennungen, Belastungen und Schmerzen.

Umkehr Schuld muss erst einmal erkannt und zugegeben werden. Dazu benötigen wir die Hilfe des Heiligen Geistes. Er offenbart uns unsere Doppelmoral, unsere Scheinheiligkeit, unsere Heuchelei, unsere Falschheit. Er zeigt uns unsere wahre Herzenshaltung. Wir erkennen, alles, was wir am anderen verurteilen und kritisieren finden wir auch in uns selbst. Denn wir sind alle gleich. In den Gestalten in den Heiligen Büchern können wir uns selbst erkennen. Die Erzählungen lehren uns, wir der HERR mit Schuld umgeht und wie wir mit Schuld umgehen sollen. David, Petrus, der zurückkehrende Sohn, der Zöllner. Sie kehren um, bekennen ehrlich und aufrichtig ihre Schuld vor dem HERRN, bereuen sie. Danach sind sie nicht mehr niedergedrückt oder depressiv sondern sie sind befreit. Da schwingt für mich die Zusage mit: „Kommt zu mir, all ihr Geplagten und Beladenen. Ich will euch erquicken!“

Der HERR verlässt uns nicht, sondern er ist immer für uns da. Bei aller Schuld gibt es immer das Angebot umzukehren. Umkehren heißt auf den HERRN zugehen, mit ihm aufrichtig und ehrlich über unsere Schuld reden, unsere Schuld anzuerkennen. Umkehren heißt auch auf unsere Mitmenschen zugehen, und in Ordnung bringen, was zwischen uns steht. Solange wir leben können wir versuchen, alles wieder ins Reine zu bringen. In der Berglehre werden wir dazu aufgefordert, unseren Mitmenschen ihre Schuld immer und immer wieder zu vergeben. Wir sollen uns nicht zum Richter aufschwingen und andere verurteilen. Unsere Mitmenschen bedingungslos lieben, alles mit Liebe zudecken verlangt allerdings, dass wir uns grundlegend ändern. Die Erzählungen vom Sohn der zum Vater zurückkehrt, vom Zöllner, von der Ehebrecherin oder von Petrus, der Jesus dreimal verleugnete, zeigen uns, wie wir uns zu verhalten haben. Es geht darum zu retten und nicht darum zu richten! Es bringt nur Unfrieden und Streit, wenn wir uns wegen jeder Kleinigkeit aufregen. Paulus fordert uns im Römerbrief dazu auf, unseren Teil zum Frieden und zur Versöhnung beizutragen und uns nicht an anderen zu rächen. Umkehren bedeute auch: darauf verzichten, Recht haben zu wollen, alles besser wissen zu wollen, andere zu beurteilen und verurteilen. Umkehren heißt Ansprüche aufgeben, den ersten Schritt tun, nicht mehr mit dem Finger auf andere zeigen.

Vergebung Wie geht es einem Herzen, auf dem Schuld lastet? Wie werden wir die Belastungen wieder los? Wie kann ein zerrissenes Herz geheilt werden? Vergebung umfasst immer ein Beziehungsgeflecht  zwischen den Menschen und dem HERRN.  Wenn wir Unrecht tun, versündigen wir uns gegen einen Mitmenschen,  gegen den HERRN und gegen uns selbst. Von manchem Unrecht ist ein ganzes Volk, manchmal sogar die gesamte Welt betroffen.  Die Schuld kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber die Beziehungen können wieder in Ordnung gebracht werden. Unrecht bleibt Unrecht, aber der Mensch bleibt geliebt. Das Trennende, die negative Energie kann beseitigt werden. Schadenersatz kann geleistet werden. Wir Menschen laden immer wieder Schuld auf uns, aber sie kann uns nicht vom HERRN trennen. Die Vergebung ist ein Geschenk des HERRN. Wer könnte überleben, wenn der HERR Schuld anrechnen würde. Der HERR fordert uns aber zur Umkehr auf. Die Bewohner von Ninive folgten dieser Aufforderung und kehrten um. Ninive wurde darum nicht vernichtet. Wegen zehn Gerechten wäre der HERR in Sodom und Gomorra bereit gewesen, einhunderttausend Schuldigen zu vergeben. So unvorstellbar großzügig ist der HERR beim Vergeben. Der HERR fordert uns auf, es  genauso zu machen. Wir sollen barmherzig miteinander umgehen und einander vergeben, wie auch der HERR uns in Christus vergeben hat.

Zu einer guten Beziehung gehört die Vergebung. Keine oberflächliche sondern eine liebevolle, die aus dem Herzen kommt. Die immer wieder neu vergibt. Die aus tiefstem Herzen bitten kann: „Und vergib mir meine Schuld, wie auch ich meinen Schuldnern vergeben habe.“ Für den Wüstenvater Abbas Poimen, ist das Verurteilen anderer, ein Zeichen dafür, dass man sich noch nicht selbst begegnet ist. Obwohl ich meine Sündhaftigkeit und meine Sündenvergebung erfahren habe, kommt es immer noch vor, dass ich mit meinen Worten andere verletze oder abstoße. Manchmal erwische ich mich, wie ich über andere urteile oder mich ins Verurteilen anderer mit hineinziehen lasse. Aber dann erinnere ich mich schnell wieder an meine eigenen Sünden. Mir wird bewusst, dass ich auch nicht besser bin, dass ich kein Recht habe, zu urteilen, dass dies der Job des HERRN ist.

Die Wüstenväter empfehlen uns das Schweigen, um besser mit solchen Situationen fertig zu werden. Wenn es in uns gärt, bietet Schweigen die Möglichkeit, dass sich der aufgewühlte Dreck mit der Zeit setzen kann, wie die Hefe beim Wein. Schweigend kommen wir mit der Wahrheit in Berührung. Die Wahrheit über uns selbst wird uns frei machen. Abbas Poimen: Schaue niemand für nichts an, verurteile niemand, verleumde niemand, und der HERR wird dir Ruhe geben. Wer seine Geschwister aus seinem Leben ausschließt, schadet sich selber. Wenn wir aufhören andere und uns selber zu verurteilen, tut uns das selbst gut. Wenn wir mit liebevollem Herzen vergeben oder um Vergebung bitten, fühlen wir uns besser. David wurde vergeben und er hat sich auch selbst vergeben. In Psalm 32 beschreibt er die Wirkungen dieser Vergebung: „Glücklich ist der, dem die Übertretung vergeben, dem die Sünde zugedeckt ist! Glücklich der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist keine Falschheit ist. Als ich es verschweigen wollte, wurden meine Gebeine schwach von meinem Gestöhne. Deine Hand drückte mich Tag und Nacht nieder und ließ meine Lebenskraft entschwinden, wie in der schlimmsten Sommerdürre. Meine Sünden habe ich dir gestanden und meine Schuld nicht verborgen. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine Schuld bekennen; und Du, Du hast mir alles vergeben.“

David weiß, seine vor Gott reuevoll bekannte Schuld ist für immer vergeben. Die Liebe verzeiht alles. Die wahre Liebe hat die Kraft, alle Sünden zuzudecken. Die Liebe rechnet das Böse nicht an und sie erduldet alles.

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