Gericht

Gibt es ein Gericht am Ende meines Lebens oder am Ende der Welt? Wenn es ein Gericht gibt, wer ist dann der Richter? Über was wird dann gerichtet nach welchen Grundsätzen? Wenn Gott die Liebe ist und wir seine Kinder kann er dann anders handeln als unendlich barmherzig zu sein? Wenn Jesus der Richter ist, muss er dann nicht seine Feinde lieben? Werden meine stümperhaften Bemühungen und Liebeswerke ausreichen oder werde ich wegen meiner Unterlassungen und meinem Versagen verurteilt?

Unter Gericht verstehen wir hier eine Macht, die das Recht wiederherstellt und Unrecht bestraft. Gerichts- und Strafandrohungen sollen unrechtes Verhalten verhindern. Sie können als Mahnung verstanden werden, gut und liebevoll miteinander umzugehen. Würden die Menschen den HERRN, dessen Wesen reine Liebe ist, ohne Gerichtsdrohungen überhaupt ernst nehmen? Wäre der HERR gerecht, wenn er alles durchgehen lassen würde? Der HERR zeigt sich als Beschützer und Hoffnung der Hilfsbedürftigen.

Wir sollten uns unter den vielen unterschiedlichen Gerichten, die wir in den Heiligen Schriften finden, nicht eine Gerichtsverhandlung vorstellen, wie wir sie kennen. Tricksen und verstecken, um der Strafe zu entgehen, ist nicht möglich. Die Wahrheit kommt vollständig ans Licht. Wer vor dem Richterstuhl des HERRN steht, kann nur schweigen? Was könnte er der Wahrheit entgegensetzen? Er weiß, so ist es und so ist es gut!

Wir finden viele und unterschiedliche Gerichte in den Heiligen Schriften wie zum Beispiel:
über die Sünden (Joh 12,31),
über die einzelnen aus den Nationen (Mt 15,32),
über einzelne Orte (Mt 11,20-24)
über sich selbst (1 Kor 11,31),
über alle Gemeindemitglieder (2 Kor 5,10),
über die Völker (Mt 25,32),
über die Engel (Jud 6),
über die bösen Toten (Offb 20,12ff)

Den Gerichten stehen unterschiedliche Richter vor: Der HERR, der Menschensohn als der beauftragte Vollzieher des Gerichts, möglicherweise die zwölf Jünger.1 Wir sollen nicht über unsere Mitmenschen richten, weil wir uns dadurch selbst verurteilen. Wir gehen ja selber auch nicht fehlerfrei und schuldlos durchs Leben. Das schaffen wir nicht. Außerdem kennen wir die Wahrheit nicht. Wenn wir andere richten machen wir den Job des HERRN oder seiner Beauftragten. Wäre das nicht anmaßend?

Alles hat seine Zeit – auch das Richten. Grob können drei Zeiten unterschieden werden: Während unseres Lebens, zum Zeitpunkt des Sterbens und das Gericht am Ende der Zeiten, wo sich das Heil oder Unheil der Toten endgültig entscheidet.

Der HERR lässt seinen geliebten Kindern Zeit zur Umkehr. Während seines Lebens kann jeder sich für das Gute oder Böse entscheiden. Nach der Lehre der Bergpredigt müsste jeder gerichtet werden. Aber jeder kann umkehren und die Liebe und Vergebung, die er empfangen hat, an seine Mitmenschen – insbesondere an Hilfsbedürftige – weitergeben. Jeder kann solange er lebt Frieden stiften, Böses wieder gut machen, andere um Verzeihung bitten. Gläubiger und Schuldner können sich solange sie leben einigen.

Jesus Christus spricht: „Wer mein Wort hört und glaubt, dem, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ Es gibt also keine Verdammnis für die, die im Herrn sind und auf den Vater vertrauen. Ihre Sünden sind vergeben. Der Heilige Geist warnt diese Gläubigen im Herrn vor Fehlern. Wenn sie Unrecht begangen haben, wird es ihnen offenbar gemacht. Aus erzieherischen Gründen werden sie bestraft. Sie brauchen sich nicht vor der Strafe fürchten. Sie erkennen mit Hilfe des Heiligen Geistes die Wahrheit über sich selbst. Sie bereuen, beurteilen und verurteilen sich selbst. Sie leiden unter ihrem Unrecht. Dies ist ihre Strafe. Sie wissen, dass die Strafe Gottes gerecht ist und akzeptieren das Leiden. Sie bitten ihre Mitmenschen und den HERRN um Vergebung. Das Gericht beginnt in der Gegenwart. Sie richten sich selbst, deshalb werden sie nicht gerichtet. (1 Kor 11,31). Sie lobsingen und danken dem liebevollen HERRN für seine Reinigungsmittel.

Nach dem Tod tritt die Seele in die Seelenwelt ein. Alle Seelen werden vor das Göttliche treten und werden beurteilt. „Gottes strafendes Handeln wendet sich nur gegen die, die das unbedingt angebotene Heil ablehnen.“2 Jeder Gedanke, jedes Wort und jede Tat wird berücksichtigt. Jedes Unrecht wird angeklagt. Der Zwischenzustand, bis zur ersten Auferstehung bzw. bis zum Jüngsten Gericht, wird entweder als Ruhe oder als Strafe empfunden. Wir können nicht wissen, wer in die göttliche Ruhe eingeht und wer bestraft wird.  Wer sich selbst vom Heil ausschließt, kann die strafende und tötende Energie Gottes zu spüren bekommen.3

Der HERR ist aber kein furchtbarer Gott. Unser Vater ist der/die liebevollste Vater/Mutter, den/die man sich vorstellen kann. ER hat kein hartes oder gefühlloses Herz. Sein Herz ist voll Liebe zu seinen Kindern. ER kennt ihren Eigensinn, ihre Widerspenstigkeit, ihre Schwächen und Fehler. ER leidet mit den Sündern mit. ER will retten und nicht richten. Die Gerechtigkeit des HERRN ist sein rettendes Handeln. ER will, dass alle Menschen ihn erkennen, ehren und lieben. ER hat uns in Jesus den richtigen Weg gezeigt, wie wir in seine Ruhe eingehen können. ER hat uns die Möglichkeit gegeben, uns von unseren Sünden wieder zu reinigen. Seine Kinder können seiner Liebe sicher sein. Dass wir Kinder Gottes sind bezeugt uns der Heilige Geist.

In jeglichem Gericht kommt es letztendlich auf die Barmherzigkeit unseres Richters an. Gottes rettendes Handeln wird allen Menschen angeboten. Für diejenigen, die ihr Unrecht bereuen und vertrauensvoll zu ihm umkehren, hält er einen Ozean an Barmherzigkeit bereit, in den sie eintauchen können. Bestimmt werden wir uns einmal wundern, wie viele verloren geglaubte Seelen sich unter den Auserwählten finden werden. Sei barmherzig, wie ER barmherzig ist!

1Vgl. Theißen, Gerd /Merz, Annette, Der historische Jesus, Göttingen 2001, S.  243f

2Theißen, G., Merz, A., S. 250

3Vgl. Theißen, G., Merz, A., S. 249

„Lobe den HERRN, meine Seele,
und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen.
Lobe den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Der all deine Schuld vergibt
und alle deine Krankheiten heilt,
der dein Leben aus der Grube erlöst,
der dich krönt mit Gnade und Erbarmen,
der deine Reife sattigt  mit Gutem.
Deine Jugend erneuert sich wie beim Adler.
Der Herr  bewirkt die Wahrheit,
und verschafft Recht allen Unterdrückten.
Seine Wege hat er Mose kundgetan,
den Israeliten seine Taten.
Barmherzig und gnädig ist der HERR,
langmütig und reich an Güte.
Nicht für immer klagt er an,
und nicht ewig verharrt er im Zorn.
Nicht nach unseren Sünden handelt er an uns,
und er vergilt uns nicht nach unserer Schuld.
So hoch der Himmel über der Erde,
so mächtig ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten.
So fern der Aufgang ist vom Untergang,
so fern lässt er unsere Verfehlungen von uns sein.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR derer, die ihn fürchten.“

Ps 103

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