Über die Sünde

Was verstehen wir unter Sünde? Wissen wir, was wir tun, wenn wir sündigen? Wie verhalten wir uns, wenn wir gesündigt haben? Kann ich sündigen ohne es zu erkennen? Richtet sich sündhaftes Verhalten nur gegen unsere Mitmenschen oder auch gegen den HERRN? Wie erkennen wir, dass wir Sünder sind? Wie kommen wir mit dem HERRN ins Reine? Wer befreit uns von der Sünde?

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man mit Sünde ein unvorteilhaftes oder falsches Verhalten: Verkehrssünden, Modesünden, Stylingsünden, Bewerbungssünden, mit Essen sündigen. Der Glaubende verbindet mit dem Sündenbegriff* etwas ganz anderes. Vereinfacht lässt sich Sünde als liebloses, schädigendes oder zerstörendes Verhalten gegenüber sich selbst, unseren Mitmenschen und unserer Mitwelt beschreiben – als Verbrechen gegen die Liebe. Zwischenmenschliche Beziehungen werden dabei verletzt und zerstört, weil Menschen bewusst schlecht miteinander umgehen und einander schaden. Aus Profitsucht werden Tiere gequält und wird die Natur zerstört. Dieses Fehlverhalten ist ein Verstoß gegen die frieden- und heilschaffenden Weisungen des HERRN und somit gegen den HERRN selbst.

Sind unsere Gesetze zeitgemäßer, als die Weisungen des HERRN? Können wir es besser machen? Können von den Weisungen des HERRN abweichende Wege mit den eingetretenen Gegebenheiten begründet werden? Oder sind wir auf dem falschen Weg? Woran soll unsere Vorgehensweise gemessen werden? Ich meine, wir müssen in Vielem umkehren, wenn wir nicht ins Verderben laufen wollen. In den Weisungen des HERRN liegt die Wahrheit. Unsere eigene Wahrheit führt zu Verletzungen des Lebens und der Lebensqualität in der Familie, in der Gesellschaft, der gesamten Bevölkerung auf der Erde und der gesamten Mitwelt. Wir müssen das in den Augen des HERRN Böse erkennen und unterlassen und das Gute tun. Es ist das Wort des HERRN, das uns zeigt, wer wir wirklich sind und wo wir gesündigt haben. Wir müssen uns also dem HERRN nähern, um die Wahrheit zu erkennen. Wenn wir umkehren und uns auf den Weg zu unserem liebevollen Vater machen, wird uns der Heilige Geist an die Hand nehmen und uns individuell führen. Im Nachhinein werden wir erkennen, dass unser Sündenbewusstsein verschiedene Stufen durchlaufen hat. An erster Stelle steht immer das bewusst sündhafte Handeln. Die Warnungen vor dem Bösen ignorieren wir. Die Hilfsmittel, die es gibt, um das Böse zu umgehen, missachten wir. Wir unterlassen das Gute und tun das Böse. Wir denken, wenn wir schon einen kleinen Schritt in die falsche Richtung getan haben, dann spielt der Nächste auch keine Rolle mehr. Hinterher kommt dann der Versuch, unsere Schuld zu verheimlichen oder zu vertuschen. Scheinheilig empören wir uns in dieser Stufe noch über andere Sünder, wie David es auch tat. Wir fordern deren Bestrafung oder wir beteiligen uns an deren „Steinigung“.

Auf der nächsten Stufe erhalten wir durch den Heiligen Geist die Gnade, uns im Licht der Wahrheit selber zu erkennen. Mir wurde schmerzhaft deutlich gemacht: „Du bist der Mensch!“ Die Sünder in den Heiligen Schriften sind Bilder von Dir und mir. Wir tun, was in den Augen des HERRN böse ist. Wenn der Heilige Geist Dir das offenbart hat, dann wirfst Du dich wie Petrus und David weinend nieder und bekennst: „Ich bin ein Sünder!“ Ich habe gegen meine Mitmenschen gesündigt und damit gegen den HERRN. Meine Lieblosigkeiten, meine Eitelkeiten, meine Eifersucht und Neid, meine Verurteilungen anderer, meine unterlassenen Hilfeleistungen, meine Betrügereien und Tricksereien, mein Wegschauen, mein Nichthandeln, mein Egoismus, all mein böses denken, reden und handeln. Alles Sünde, alles Schuld. Alles hat negative Auswirkungen auf das Miteinander.

Auf der nächsten Stufe entsteht der Wunsch, dem Vater alles zu sagen und mit ihm ins Reine zu kommen. Wir können es nicht mehr ertragen. Der Heilige Geist bewirkt, dass wir unsere Sünden dem HERRN vorlegen, darüber weinen und schluchzen vor dem HERRN und um Vergebung bitten. Du erhältst die tiefe Erkenntnis über die Schwere deiner Sünden. Du bist noch mehr erschrocken über Dich und erkennst schmerzhaft, wie deine eigenen Gedanken, Worte, Taten und Unterlassungen Dich anklagen. Wie der Ruf erklingt: „Gotteslästerung! Kreuzige ihn!“ Schmerzhaft erkennst Du: Ich bin der Mensch, der den Tod am Kreuz für sein sündiges Verhalten verdient hat. Du bist verzweifelt und voller Furcht und gibst ehrlich zu: Ja, das habe ich verdient! Ich müsste dort am Kreuz hängen. Das wäre meine gerechte Strafe.

Urplötzlich kommt dann die große Befreiung durch die Erkenntnis: Jesus Christus ist für mich persönlich gestorben! Meine Sünden sind mir bedingungslos vergeben! Er hat die Strafe, die ich verdient habe, auf sich genommen! Eine schwere Last fällt von Dir und Du bist völlig befreit. Du wirst jauchzen und jubeln, danken und tanzen vor Freude. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkommt dich. Unbegreiflich, wie der Heilige Geist hier wirkt. Dies alles ist allein ein Werk der Gnade des HERRN und seiner Barmherzigkeit. Du weißt nun, dass deine Sünden alle vergeben sind. Dass nichts mehr da ist, was Dich vom HERRN trennt. Der Herr braucht keine Opfer von Dir. Dein reumütiges Herz genügt ihm.

Nun fängt ein neues Leben an. Du bist ein neuer Mensch. Du willst deinem Vater gefallen. Du wirst nicht mehr sündigen. Fehler, die Du weiterhin begehst, werden dir vom Heiligen Geist sofort bewusst gemacht. Sie schmerzen dich. Du bist zerrissen und hast Gewissensbisse, weil Du deine Unvollkommenheit erkennst. Du bringst deine Fehler sofort vor den HERRN und bittest ihn um Vergebung. Du dankst ihm, dass auch dies am Kreuz vergeben wurde. Wenn wir nicht verstehen, was Sünden vergeben heißt, was die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit des HERRN für uns bedeutet, was bedingungslose Liebe bedeutet, kommen immer wieder Zweifel hoch. Wir sehen, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen, ein reines Herz zu haben. Darum werfen wir uns vor dem HERRN erneut nieder und bitten ihn: „Schaffe in mir, HERR, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.“ Doch der Heilige Geist gibt Dir dann eindeutig zu erkennen: Da ist nichts mehr zwischen Dir und dem HERRN. Es herrscht vollkommene Harmonie. Jesus Christus lebt nun in uns und wir in ihm. In ihm sind wir rein und heilig.

Mache dich auf, kehre zum Vater zurück. Der Vater kommt Dir mit offenen Armen entgegen. Er wartet schon lange auf Dich. Erfahre seine unermessliche Barmherzigkeit und sein rettendes Handeln. Nimm den Schatz entgegen, den er für Dich bereithält.

* In den Heiligen Schriften gibt es keine genaue Definition des Sündenbegriffs. Siehe hierzu die ausführlichen Erläuterungen der Glaubensgemeinschaften in ihren Katechismen.

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