Erzählungen in der Bibel

Handelt es sich bei den Erzählungen in den Heiligen Schriften um Märchen oder mystische Geschichten? Sind sie wahr oder erfunden? Sind die Wundergeschichten glaubhaft? Ist es Lehre oder Erzählung? Warum gibt es so viele unterschiedliche Bibelübersetzungen? Welche Übersetzung ist die richtige? Werden im Koran dieselben Geschichten erzählt?

In den heiligen Schriften werden wir dazu aufgefordert, unseren Kindern weiterzuerzählen, was der HERR früher Gutes getan hat. Der HERR selbst verlangt erzählt zu werden, wie Er Menschen befreit, sie von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung führt. Der HERR wird darin bildhaft geschildert. Es sind orientalische Geschichten. Zunächst von Patriarchen. Dann von Königen, die selbstverständlich einen Harem hatten. Die Geschichten schildern eine konkrete Situation. Sie handeln von Auseinandersetzungen, die ewig aktuell sind. Sie wurden über Generationen in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich weitererzählt und kunstvoll gestaltet. Die Geschichten erzählen sehr persönlich, wie sich bekannte Völker, Männer oder Frauen in bestimmten Situationen verhalten haben. Ihre Stärken und ihre Schwächen werden ungeschminkt geschildert.

Im Koran werden einige Geschichten anders und kürzer erzählt. Der Koran sieht in der hebräischen Bibel und den Evangelien Gottes prophetisches Wort. Er erhebt den Anspruch, als endgültiges Wort des HERRN, die menschengemachten Fehler der vorangehenden beiden Schriften zu korrigieren. Aus den Geschichten entstanden im Christentum abstrakte theologische Konzepte, die sich auf Figuren aus den Erzählungen beziehen. Der geschilderte Einzelfall aus dem realen Leben bestätigt die Wahrheit.
Jesus war ein Jude und er lehrte unter Juden. Seine Lehre und seine Weisungen haben ihren Ursprung in den hebräischen Heiligen Schriften. Er wurde zu seinem Volk gesandt. Er sprach aramäisch und hebräisch. Wir wissen nicht, ob er auch griechisch gesprochen hat. Im Johannes-Evangelium wird Jesus als das Wort des HERRN bezeichnet. Der christliche Glaube orientiert sich an ihm: Jeus sagt das Wort des HERRN  und er ist das Wort des HERRN.

Die heiligen Schriften sind Glaubens- und Lehrbücher für die Religionsgemeinschaften. Juden und Muslime benutzen beim Gottesdienst nur den heiligen Urtext. Die Christen benutzen unterschiedliche Übersetzungen mit abweichenden Inhalten und Reihenfolgen. Die christlichen Vorlagen stammen aus einzelnen griechischen Schriftstücken, die nach und nach gefunden wurden. Sie geben viel Anlass für Spekulationen bezüglich der Schreiber, der Herkunft der Schriftstücke und sich widersprechender Inhalte. Der Urtext ist ein hergestellter Text und die eine Bibel gibt es nicht. Jede Übersetzung vom Griechischen ins Lateinische, Englische, Deutsche und 2000 weitere Sprachen beinhaltet Interpretation und Theologie. Luther sagte, dass er die Texte manchmal zurecht gehobelt habe. Es sind heute Übersetzungsfehler bekannt, die nur zaghaft korrigiert werden. Dies alles trägt dazu bei, dass sich Theologen, Bibelwissenschaftler, Archäologen und Bibelleser seit Jahrhunderten mit der Suche nach der Wahrheit beschäftigen. Es ist bekannt, dass wir die Bibel nicht in allem wortwörtlich nehmen dürfen, wie z.B. die Zahlenangaben. Die Menschheit hat sich aufwärts entwickelt und entwickelt sich weiter. Patriarchat, Harem, Prügelstrafe, Todesstrafe und „die Frau schweige“ sind in der westlichen Gesellschaft weitgehend abgeschafft. Religionsfreiheit und Gleichberechtigung der Geschlechter wurde im letzten Jahrhundert gesetzlich festgeschrieben.

Die biblischen Geschichten sind bereits von dem jeweiligen Schreiber gedeutet worden. Jeder Erzähler kann die Geschichten auf die heutige Zeit hin deuten. Jeder Hörer kann etwas anderes heraushören. Jeder Leser die Geschichten anders lesen. Jeder bringt seine eigene Erfahrung und Kenntnis mit. Manchmal wundere ich mich über Schreiber oder Prediger, die ausgehend von den biblischen Geschichten genau den Charakter und den Willen des HERRN kennen. Ist es denn möglich seinen Charakter mit unserem zu vergleichen und mit unseren Worten auszudrücken. Oder sind alle Gottesbilder nicht viel zu beschränkt, als dass wir sie in Worte fassen können? Lassen sich aus den Geschichten Regeln ableiten oder zeigen sie nur, wie der HERR in einer bestimmten Situation eindrucksvoll gehandelt hat?

Alle heiligen Schriften haben dieselbe Stimme. Die Unterweisungen und Auslegungen unterscheiden sich allerdings bis ins Gegensätzliche. Jede beansprucht für sich, die alleinige Wahrheit. Christentum und Islam missionieren weltweit und beanspruchen eine universelle Geltung. Kreuzzüge, Religionskriege und gewalttätige Auseinandersetzungen – auch heute noch – entsetzen mich. Kann das denn der Wille des HERRN sein? Die Juden haben noch nie missioniert. Sie haben die Religionsfreiheit immer anerkannt und praktiziert. Dennoch werden sie bis heute verfolgt. Ich sehne mich nach der Zeit, in der alle Menschen erkennen, dass sie Kinder des einen HERRN sind. Brüder und Schwestern, die sich gegenseitig achten und einander helfen; die den Mitmenschen und ihrem Glauben den Respekt entgegenbringen, den sie für sich selber wünschen.

Wir finden viele Wahrheiten in den Heiligen Schriften. Darüber müssen wir nicht streiten oder spekulieren. Die Wahrheit macht uns frei und lässt auch die Wahrheit anderer gelten. An den guten Früchten kann man die Wahrheit erkennen. Diese Wahrheit kann unterschiedlich tief in uns eindringen. Viele Menschen erkennen, dass die Erzählungen und Gebete in den Heiligen Schriften ihre eigene Situation widerspiegeln. Die Worte dringen in ihr Herz. Sie machen betroffen und werden zur wirklichen Lebenshilfe und Weisung. Sie spüren die Kraft, die in den Worten liegt. Sie gelangen vom Hören zum inneren Sehen. Dem Glauben erweckenden Sehen, das amerikanische Sklaven in ihrer Not singen ließ: „Go down Moses, way down in Egypt´s land, tell old Pharaoh, let my people go!“

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bibelübersetzung#Geschichte

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