Selbstmord

Was kann ich tun, wenn alles ausweglos erscheint? Wenn die Situation unerträglich wird? Wenn ich völlig verzweifelt bin und nicht mehr ein oder aus weiß? Wenn ich versagt habe? Mangel an Geborgenheit empfinde? Wenn ich verlassen wurde? Wenn ich den anderen nur noch zur Last falle? Wenn niemand mehr für mich da ist? Wenn die Krankheit unheilbar ist? Wenn in einer tiefen Lebenskrise alles dunkel, schwierig und schlimm erscheint? Wenn alles sinnlos erscheint? Wenn das Zusammenleben unglücklich ist? Wenn finanzielle Nöte einen erdrücken? Wenn ich mein Gesicht und mein Ansehen verloren habe? Wenn ich es nicht mehr aushalte? Wenn ich das Gefühl habe unfähig zu sein? Wenn ich keine Zukunft mehr sehe? Wenn ich nicht mehr leben will?

Der Mensch hat die Freiheit sein Leben selbst zu beenden. Als Jugendlicher habe ich einen Mann kennengelernt, der dies im Voraus geplant hat. Er war ein exzellenter Schachspieler und Stratege. Er hatte keine Angehörigen. Er hat sein Vermögen aufgebraucht, seine Leiche für Forschungszwecke im Voraus verkauft. Außer dem Geld konnte man keinen wirklichen Grund für seinen Selbstmord erkennen. Er war bis zum Schluss gut drauf. Aus heutiger Sicht betrachte ich seinen Selbstmord als Egoismus pur. Er hätte noch viel erleben können. Er hätte noch viel Gutes für andere tun können? Es gibt aber auch diese ausweglos erscheinenden Situationen, die tiefen Depressionen, die unheilbaren Krankheiten, die Selbstmordattentäter und diejenigen, die sich für andere aufopfern. Kein Selbstmord gleicht dem anderen. Es kann nicht alles über einen Kamm geschert werden. Daneben gibt es auch viele, die unvorsichtig sind, die zu viel riskieren und wieder andere die bewusst ihr Leben beenden um andere zu schützen. Nicht alle sind Selbstmörder.

Selbstmordattentäter sind in unseren Augen Mörder. Religiöse oder politische Fanatiker, die ihre unschuldigen Brüder und Schwestern und oftmals auch deren Kinder umbringen, die nichts getan haben. Sie selber betrachten sich als Kriegshelden oder Märtyrer. Ihre Auftraggeber haben es ihnen so beigebracht. Sie erheben sich zum Richter über Leben und Tod. Aber tun das diejenigen, die sich selber umbringen, im Hinblick auf ihr Leben nicht auch? Selbstmord ist in den großen Religionsgemeinschaften generell nicht erlaubt. Allein dem HERRN steht die Entscheidung über die Lebenszeit zu. ER ist der barmherzige Richter. Der Selbstmörder setzt sich auf den Richterstuhl des HERRN und richtet selbst.

Wen will er durch seinen vorzeitigen Tod bestrafen? Sich selber? Seine Angehörigen? Seine Partner? Diejenigen, die er mit in den Tod reißt? Oder will er nur den Problemen entfliehen und die anderen damit alleine lassen? Oder will er dadurch Beachtung bei anderen finden? Hat die Angst vor der Zukunft ihn zu diesem Schritt getrieben? Vor der Ablehnung? Vor der nächsten völligen Verzweiflung, in der er tagelang nicht mehr aus dem Bett kommt? Meist gibt es keine Antwort auf die Warum-Frage. Was hat der Selbstmörder selbst Schlimmes getan, dass er den Tod verdient hätte? Der Selbstmord ist eine endgültige Entscheidung für kurzfristige Probleme. Es gibt kein Zurück mehr. Es besteht keine Chance mehr die Probleme durchzustehen, durchzuleben und reifer und erfahrener daraus hervorzugehen. Der Selbstmörder hält es nicht mehr aus. Er vertraut nicht darauf, dass es – wie auch immer – weitergehen kann, dass seine Familie, Verwandten und Freunde ihm helfen können, dass ihm der HERR beisteht, dass er die Last nicht alleine tragen muss, dass er umkehren kann, dass Neues wachsen kann.

Wir kennen die innersten Gedanken eines Selbstmörders nicht. Viele Hinterbliebene plagen sich mit belastenden Gedanken: „Warum haben wir die Anzeichen nicht richtig erkannt und gedeutet?“ Für alle ist es schockierend und meist schmerzhaft. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Manche werden so tief erschüttert, dass sie Jahre brauchen, um damit umgehen zu können. Für andere bleibt es ein Tabu-Thema und sie wollen nicht darüber reden. Das Leben ist das Wertvollste, das größte Geschenk das es gibt. Welche Schönheit und welch unermesslicher Reichtum umgibt uns tagtäglich? Die Schönheit, Originalität und Ausstattung der Menschen die uns umgeben. Unsere Sinnesorgane, die es uns ermöglichen in jede Sekunde genießen und sich darin freuen zu können. Die Schönheit und der Reichtum der Tier- und Pflanzenwelt. Die Pracht und Mächtigkeit von Himmel und Erde. Wir finden ständig Gründe um zu staunen und zu bewundern? Alles ist gut. Außer natürlich an den Orten, wo der Mensch es zerstört hat. Für die Hinterbliebenen eines Selbstmörders bleiben immer viele Fragen offen: „War er oder sie blind für dies alles? Warum hat er oder sie sich selbst aufgegeben? Warum war er oder sie so hoffnungslos?“ Meistens gibt es keine Antwort auf das „Warum?“

Selbstmordgedanken zu haben ist nicht unnatürlich. Weder bei Jugendlichen noch bei Alten. Darüber mit anderen zu reden kostet Überwindung. Die Gespräche können helfen, neuen Sinn zu finden und neue Wege zu gehen und das tiefe Tal zu überwinden. Die Heiligen Schriften schlagen vor, unsere Lasten, unser gesamtes Leben dem barmherzigen HERRN zu übergeben. ER kann einem sinnlos erscheinenden Leben neuen Sinn geben, neue Freude, neuen Genuss. ER kann das Leben jederzeit wenden oder jederzeit beenden. Meine Mutter bat mich, als sie lebensmüde geworden war, zu beten, dass sie sterben darf. Sie hat ihr Leben in die Hand des HERRN gelegt, der ihr begegnet war. Sie konnte es kaum erwarten bei ihm zu sein und ihre Leiden hinter sich zu lassen. Lieder aus dem Gesangbuch trösteten sie und gaben ihr Halt. Der Glaubende legt sein Leben in die Hand des barmherzigen Vaters, der ihn liebt und ihn nie allein lässt. Er verkürzt sein Leben nicht. Weil er nicht weiß, was ihm die Zukunft noch bringt. Weil er nicht weiß, was der HERR mit einer ausweglos erscheinenden Situation vorhat. Weil er weiß, alles ist zu seinem Besten. Auch die Leiden.

Peter Strauch hat 1980 geschrieben:

„Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.
Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich: Was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.“

Und Dietrich Bonhoeffer schrieb 1944:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

  • 0800 – 111 0 111 (ev.)
  • 0800 – 111 0 222 (rk.)
  • 0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche)
  • Email: unter www.telefonseelsorge.de

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