Warum?

Warum lässt der HERR das zu? Ist ER nicht allmächtig? Warum greift ER nicht ein? Handelt der HERR willkürlich? Kommt das Böse auch vom HERRN? Warum verbirgt sich der HERR? Warum schweigt ER? Wo war der HERR in den Konzentrationslagern? Wo war ER im Bombenhagel? Dies sind alles Zweifelsfragen, die immer wieder gestellt werden. Alle Antworten darauf sind persönliche Deutungen. Die Wahrheit kennen weder Atheisten noch Gläubige. Die Gläubigen haben allerdings den großen Vorteil, dass sie ihr Leid und ihre Verzweiflung vor den HERRN bringen können.

Es gibt auf unserer Welt unfassbares Leid. Im Kleinen und im Großen. Von Krankheit, Verlassen werden oder plötzlichem Tod eines geliebten Menschen über einen Tsunami mit über 230.000 Opfern bis zum Holocaust mit über sechs Millionen unschuldigen Opfern. Die Leiderfahrungen, die viele Menschen machen mussten, sind oft unbeschreiblich schmerzhaft. Fassungslos stehen sie da und stellen die Frage: „Ist das gerecht?“ Manche begehen Selbstmord, weil sie das Leid nicht mehr aushalten können. Warum müssen Kinder verhungern? Können wir Menschen dafür unseren HERRN anklagen und ihm den Prozess machen? Wo war denn der Mensch in Ausschwitz? Sind wir in der Lage alles besser zu wissen? Woran orientiert sich unser richten, was Gut und was Böse ist? Sind wir für das Gute verantwortlich, für Unrecht und Leid aber der HERR? Was ist mit Naturkatastrophen? Können wir dem HERRN vorschreiben, was er tun soll?

Wie gehen wir denn mit Leiden um? Viele versuchen sich dagegen zu versichern: Hagel, Sturm, Feuer, Hochwasser, Unfall, Einbruch, Diebstahl, Betriebsunterbrechung, Pflege…. Aus einigen Punkten wird schon ersichtlich, dass wir den HERRN nicht für alles verantwortlich machen können. Für vieles Leid ist der Mensch verantwortlich: die Folgen der globalen Erwärmung, die Supergaus in Kernkraftwerken, die Tötung von Mitmenschen in Vernichtungslagern, Kriegen und Amokläufen; die Entstehung und Ausbreitung vieler Krankheiten, die Verwüstung von Ackerland, die Vergiftung von Nahrungsmitteln und Grundwasser, Missbrauch von Frauen und Kindern, Kinderarbeit und vieles mehr. Viele fragen sich heute: Ist die Menschheit auf dem Weg sich selber umzubringen? Warum gehen die Menschen so ungerecht miteinander um? Warum wollen sie ihren vergänglichen Besitz immer weiter vermehren? Warum kommt bei vielen die Nächstenliebe zu kurz?

Womit haben wir es verdient, dass wir noch leben? Es heißt doch: was man sät, wird man auch ernten? Der HERR sagt dem Menschen was gut und was schlecht ist. Er lässt uns die freie Wahl, zum Segen für unsere Mitmenschen zu werden oder zur Ursache des Leids. Der HERR gibt den Menschen die Erde und den Auftrag sie zu bewahren. Er lässt uns die freie Wahl, die Erde zu zerstören oder sie zu erhalten, egoistisch oder hilfsbereit zu sein, gerecht oder ungerecht. Viele verhalten sich den Mitmenschen gegenüber ungerecht. Der HERR ist kein Polizist, der eingreift oder ein autoritärer Machthaber, den wir stürzen müssen. ER will aus freier Entscheidung geliebt werden – nicht wegen seiner Wunder oder Machttaten. Liebe kann nicht erzwungen werden.

Wir wollen dass der HERR zu uns spricht. Uns sagt, was wir tun sollen. Unsere erste Frage lautet dann: Hat der HERR wirklich gesagt? War es wirklich Gott oder kommt es aus unserem Unterbewusstsein? ER spricht zu uns in Bildern. Seine Bildworte lassen sich unterschiedlich interpretieren? Wie wir mit seinen Anweisungen umgehen, können wir aus den Heiligen Schriften und der Kirchengeschichte entnehmen. Auf der einen Seite Ungehorsam, Streitigkeiten, Religionskriege, Zwangsmissionierungen, Irrtümer, Abspaltungen. Auf der anderen Seite soziales Engagement, Samariterdienste, Aufbau von Erziehung und Bildung, Hilfswerke. Seine Worte haben beides bewirkt. Während der Anwesenheit des HERRN in Jesus Christus gab es Gegner, Nachfolger und Neutrale. Heute ist es dasselbe. Wir wollen unsere Freiheit und frei entscheiden können.

Wir müssen uns damit abfinden, dass es unerklärliches Leid gibt. Warum musste er oder sie genau zu diesem Zeitpunkt an dem Unglücksort sein? Wenn etwas Wundersames oder etwas Furchtbares geschieht, können wir nie sicher sein, dass es der HERR bewirkt hat. Wir wissen nicht, was in der unsichtbaren Welt passiert. Wir wissen nicht, was der Schöpfer des Universums tut. Wir wissen nur, ER weint mit uns, ER leidet mit uns, ER tröstet uns und ER leidet für uns. Der HERR sendet uns, Leid zu verhindern, Leid zu lindern, den Leidenden zu helfen und sie zu trösten.

Es gibt also verschiedene Ursachen für das Leid: den Menschen selber, Naturkatastrophen und nicht erklärbares Leid. Die Grenzen sind oftmals fließend, wie Fukushima zeigt. Wir haben es mit überwindbarem, aufhebbarem und unvermeidbarem Leid zu tun. Wir bekommen aber keine Antwort auf die Frage, warum der HERR das Leid zulässt. Die Leiderfahrung macht uns reifer und dankbarer. Wir leiden mit und versuchen, wenn möglich, zu helfen. Wenn ich daran denke, welche Qualen der Herr bei der Geißelung und Kreuzigung für meine Rettung erlitten hat, dann erscheinen mir meine Leiden auf dieser Welt dagegen gering. Jesus hat uns den Weg durchs Leiden hindurch gezeigt. Und ich weiß, alles Leid wird in der neuen Welt zu Ende sein.

Literatur: Theodizee, in RGG3,  Bd. 6, S. 739-747.
Yancey, Philip, von Gott enttäuscht, Durch Leiden an Gott in der Liebe zu ihm wachsen, Metzingen 1994.
Wieland, Wolfgang, Wie kann Gott dies nur zulassen? – Ijob, unermessliches Leid und wir. http://www.keb-drs.de/fileadmin/downloads/themen-ijob-und-das-leid.pdf
Dressler, Bernhard, Über die Sinnlosigkeit des Leidens. Religionspädagogische Erwägungen über Sinnsuche und Leiderfahrungen von Kindern und Jugendlichen.
http://www.rpi-loccum.de/drtheod.htm

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