Richten und kritisieren

Ist Ihnen das auch schon passiert. Jemand verhält sich anders wie Sie und darum verurteilen Sie ihn. Konkret: Vor Jahren überholte mich jemand rechts auf der Autobahn. Ich habe ihn verurteilt. Einige Kilometer später tue ich dann dasselbe. Jetzt ging mir ein Licht auf. Ich bin ja auch nicht besser. Wie kann ich über andere urteilen, wenn ich mich selbst nicht kenne? Welche Scheinheiligkeit von mir? Habe ich mich nicht mit dem Urteil, das ich über den anderen gefällt habe, selber verurteilt? Kommt es nicht vor, dass wir manchmal viel zu schnell antworten, urteilen und richten. Können wir noch zuhören, ohne gleich zu richten? Benötigen wir nicht alle erst selber Heilung, um gerecht urteilen zu können?

Wie oft wird in Gesprächen über Abwesende hergezogen. Es werden nur die negativen Dinge gesehen und ausgesprochen. Das Positive sehen wir nicht. Wo bleibt unsere Liebe zum anderen, die alles erträgt? Unbewusst machen wir den Job des Anklägers. Wenn wir den Kritisierten wieder begegnen, spüren wir, dass unsere Worte etwas bewirkt haben: Eine Distanz, ein Abstand wird hinter unserer vordergründigen Freundlichkeit spürbar. Wir sind nicht mehr eins, nicht authentisch sondern gespalten.

Unsere Worte können viel bewirken: sie können heilen, helfen, gut machen, trösten, aufbauen, verteidigen. Sie können aber auch anklagen, niedermachen, verletzen, verurteilen, vernichten, ja sogar töten. Dafür gibt es im Deutschen die Bezeichnung Rufmord. Wie werden manche Zeitgenossen heutzutage erbarmungslos durch die Presse verurteilt? Wie viele werden durch Kabarettisten und Büttenredner oftmals schlimm durch den Kakao gezogen? Wo bleibt da die Würde des anderen? Beleidigen wir damit nicht dessen Schöpfer? Wie sollen wir uns dabei verhalten? Steine werfen? Erkennen wir, dass wir der Mensch sind, über den gelästert und gelacht wird?

Wenn wir über andere urteilen, spielen wir uns als Richter auf. Wir erheben uns über den anderen. Machen uns groß und ihn klein. Erheben den Anspruch, besser zu sein. Wenn wir richten, übernehmen wir den Job des Herrn. Wie anmaßend von uns? Sehen wir, was im Herzen verborgen ist? Kennen wir die geheimen Gedanken und Motive? Haben wir das Recht, den anderen zu bewerten, bevor der Herr wiederkommt? Kennen wir den Maßstab des Herrn? Wir lassen für den Nächsten nicht gelten, was der Herr für ihn getan hat. Wir urteilen vor der Zeit. Zwingen wir den Herrn nicht dadurch, über uns zu richten. Nur der Herr sieht die Gesamtzusammenhänge. Er sieht auch ins Verborgene. Er kennt die innersten Beweggründe.

Wir haben die Wahl, auf welche Seite wir uns stellen? Auf die Seite des Verklägers oder des Retters? Auf der einen Seite sehen wir vor allem das Negative durch Besserwisserei, Kritiksucht, Neid und Hass. Auf der anderen Seite sehen wir vor allem das Positive mit Vergebung, Güte, Hilfe, Liebe und Barmherzigkeit. Wer von uns weiß denn genau, zu was bestimmte Dinge gut sind? Sehen wir, was noch alles daraus wachsen und entstehen kann? Ist es nicht besser,  miteinander zu reden als übereinander?  Wir sollen lieben und  vergeben und uns nicht als Richter aufspielen. Bete für deine Geschwister. Übergib die Angelegenheit dem Herrn. Lass ihn seinen Job machen. Urteile nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt. Die aufrichtige Nächstenliebe entschuldigt die Fehler der Geschwister. Wäre es für uns nicht besser, wenn wir auf dem einen Auge blind wären?

3 Gedanken zu „Richten und kritisieren“

  1. Asking questions are really good thing if you are not understanding something totally, however this piece of
    writing provides pleasant understanding even.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

12 − neun =