Verletzungen

Treffen wir aber nicht öfters auf verschiedene, ja sogar konträre Sichtweisen bei derselben Sache? Habe ich immer Recht? Warum sieht der andere die Sache völlig anders? Warum stellt er sich als den Guten und mich als den Bösen dar, wo ich doch das umgekehrt sehe? Wozu sollen solche Schläge, Angriffe und Beleidigungen gut sein? Wie viel soll ich mir noch gefallen lassen?`Was ist die Wahrheit? Wo irrt mein Gegenüber, wo irre ich mich? Wie unterschiedlich, ja gegensätzlich, können Sachverhalte doch betrachtet und empfunden werden? Erzählen wir nicht immer nur unsere Sichtweise, unsere Verletzungen? Wie brutal können Menschen mit Worten aufeinander einschlagen? Wie rechthaberisch, rücksichtslos und verletzend können sie dabei auftreten?

Gut und böse Immer bin ich schuld. Immer bin ich der Böse, die anderen die Guten. Mit Fingern zeigen sie auf mich. Es zählt nur die Sichtweise der anderen. Keiner will aber schuld sein. Jeder will immer nur gut dastehen. Der Mann sagt, die Frau ist schuld, die Frau weiß, die Schlange ist schuld. Wir finden immer eine Entschuldigung für unser Fehlverhalten. Das sind doch unsere Gedanken. Der eine unterstellt dem anderen böse Gedanken und Lügen. Jeder sieht alles nur aus seiner Sicht. Wir fordern von anderen, was wir selbst nicht leisten können. Wie oft muss ich mich noch verletzen lassen? Ich habe es doch nur gut gemeint? Was hat mein Gegenüber mir angetan? Will er mich vernichten? Darf ich da nicht zurückschlagen? Muss ich mich nicht wehren?

Krank Bist du schon mal so schwer verletzt worden, dass es schmerzt. Du empfindest nur noch Trauer, Enttäuschung, Verbitterung und Hass. Es ist unfassbar, wie dein Gegenüber dich bedrängt und bedroht. Es macht dich krank. Es raubt dir den Schlaf. Du willst diesen Menschen, der dich so verletzt hat, nicht mehr sehen. Am liebsten würdest Du ihn verfluchen. Aber wozu führt es, wenn du spiegelbildlich weitermachst und dein Gegenüber genauso schwer verletzt? Was wenn keiner nachgibt? Das bringt dich nicht weiter. Hass kann keinen Hass besiegen. Aber wie komme ich aus dieser ausweglosen Situation wieder heraus?

Wahrheit Worte können schwer verletzen und extrem kränken. Niemand ist unfehlbar. Es zählt nur die eigene Sichtweise, die eigene Wahrheit. Und es wird gelogen, wo es immer vorteilhaft erscheint. Der Heilige Geist zeigt uns die Wahrheit, offenbart uns, wo wir selber falsch liegen und falsch handeln. Er will uns sanft zurechtweisen. Auch wir bedürfen der Vergebung. Der Apostel Petrus wurde von Jesus zurechtgewiesen: „Geh hinter mich, Satan!“ (Matthäus 16,23) War die Blickrichtung von Petrus nur auf sich selbst und nicht auf Jesus gerichtet? Wir sollen uns nach dem göttlichen ausrichten. Wenn der Heilige Geist uns erleuchtet, können wir unser kleinspuriges, menschliches Denken überwinden und zu Höherem gelangen.

Böse Geister Paulus schreibt aus dem Gefängnis (Epheser 6), dass wir nicht gegen Menschen kämpfen, sondern gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister, gegen die Listen des Teufels. Jeder Mensch kann seinem Mitmenschen unmenschlich begegnen. Die bösen Geister triumphieren dabei. Paulus ruft uns auf, zu den Waffen Gottes zu greifen: Wahrheit, Gerechtigkeit, Evangelium des Friedens, Vertrauen auf Gott, Gewissheit eurer Rettung, das Wort Gottes, Gebet. Das Evangelium lehrt uns, dass nur Liebe Wunder wirken kann. Pinchas Lapide meint wir sollen über uns hinauswachsen unseren Feinden kleine Liebesdienste erweisen, das Böse mit Gutem überwinden. Wohltätigkeiten, die Vertrauen schaffen, Feindschaft abbauen und Liebe fördern. Unseren Feinden Gutes tun.

Vergebung Jesus hat Petrus immer wieder vergeben.Wir dürfen niemanden verurteilen (Matthäus 18,22). Wir können nicht in die Herzen der anderen schauen. Das Gericht über die Menschen ist nicht unser Job. Barmherzigkeit ist das Gebot für uns (Lukas 6,36). Und beten für die, die uns schlecht behandeln und beleidigen (Lukas 6,27). Nach Pinchas Lapide sollen wir größer und menschlicher werden. Wir müssen uns über die Situation erheben, wie ein Adler. Wirf deine Last auf den HERRN Er wird dich erhalten; Er wird nimmermehr zulassen, dass der Gerechte wankt (Psalm 55,23). Buber und Rosenzweig sagen: Liebe deinen Nächsten, er ist wie Du!

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