Schafe mit ihrem Hirten

Der Begriff Schafe mit ihrem Hirten wird in den Heiligen Schriften an mehreren Stellen allegorisch für die Beziehung des HERRN mit den Menschen verwendet. Sind wir Menschen mit Schafen zu vergleichen? Verhalten wir uns ähnlich wie Schafe? Verhalten sich unsere Führungspersönlichkeiten wie gute Hirten? Philipp Keller, ein Schafhirte und Schafzüchter aus Neuseeland, beschreibt in seinem Buch „Psalm 23 – der gute Hirte“1 das Wesen der Schafe. An vielen Beispielen sieht er ähnliches Verhalten bei uns Menschen. Im folgenden betrachten wir nur das Verhalten der Schafe und ihres Hirten. Dem Leser bleibt es überlassen das menschliche Verhalten daneben zu setzen.

Ähnlichkeiten zum menschlichen Verhalten sieht Keller insbesondere beim Herdentrieb, der Angst, der Zaghaftigkeit, dem Eigensinn und der Dummheit und in vielen schlechten Angewohnheiten.2

Herdentrieb Schafe sind Herdentiere und somit auf Kontakt mit ihren Artgenossen angewiesen. Aus diesem Grund darf ein Schaf niemals alleine bleiben.“3 Sie besitzen ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie gehen hintereinander her und folgen blind dem Leitschaf. Sie dürfen auf keinen Fall angebunden werden. Die Lämmer spielen miteinander. Nach der Geburt eines Lämmches darf der Bindungsprozess Mutterschaf-Lamm nicht gestört werden, da das Mutterschaf das Lamm sonst nicht annimmt. Mutterschafe und Lämmer suchen und finden sich in der Herde immer wieder. Wenn sie nicht geführt werden, folgen sie immer denselben Wegen. Es entstehen Trampelpfade. Wenn die Weiden nicht rechtzeitig gewechselt werden, grasen die Schafe die Wiesen bis zu den Wurzeln ab. Sie fliehen, wenn sich ihnen etwas nähert. Wenn einzelne Schafe verschreckt losrennen, rennen andere auch los.

Angst Unerwartetes und Unbekanntes löst bei Schafen großen Schrecken aus und sie rennen davon. Selber habe ich dies erlebt, als ich mich einer Schafherde mit dem Fahrrad sehr langsam näherte. Die Schafe, die am Rande der Wiese grasten fingen an, in die Mitte zu rennen. Dann rannte die anderen Schafe auch los. Nach kurzem Spurt blieben alle wieder stehen. Geraten die Schafe in Panik, können sie sich selbst verletzen, wenn sie kopflos davonrennen und stolpern. Muttertiere können ihre ungeborenen Lämmer verlieren. Ängste entstehen auch durch Konflikte der Schafe untereinander. Die Ursache liegt in der Rangordnung, dem Alter und der unterschiedlichen Kraft der Schafe. Manchmal werden Schwache von den Stärkeren unbarmherzig herumgestoßen. Eifersüchteleien und Konkurrenzkampf können ein ruhiges weiden und gedeihen der Schafe erheblich stören. Ohne ihren Hirten verhalten sich Schafe unsicherer und ängstlicher. In der Gegenwart des Hirten verändern sie ihr Verhalten und sie hören auf, gegeneinander zu kämpfen und verhalten sich ruhiger.

Zaghaftigkeit Die Schafe können sich gegen Wildtiere nicht selbst verteidigen. Sie sind hilflos, schreckhaft und schwach. Ihre einzige Rettung liegt in der Flucht. Werden sie angegriffen rennen manche davon – aber nicht weit genug und bleiben in der Nähe des Angreifers wieder stehen. Manche verstummen vor Angst und bleiben wie angewurzelt stehen, andere rennen blökend um den Angreifer herum. Viele verletzen sich auch auf der Flucht. Wölfe, Pumas, streunende Hunde oder Bären können so unter einer nicht bewachten Schafherde ein großes Blutbad anrichten.

Eigensinn Wie gut oder schlecht es den Schafen geht, hängt vom Hirten und der Eigensinnigkeit und Halsstarrigkeit der Schafe ab. Immer wieder gibt es in Herden widerspenstige Tiere. Unruhige und unzufriedene Schafe versuchen die Weide zu verlassen und woanders Futter zu finden. Sie sind nie zufrieden. Aus schlechten Erfahrungen lernen sie nicht sondern machen immer wieder dieselben Fehler. Sie hören nicht auf ihren Hirten. Ihr Verhalten führt zu einem schlechten Vorbild für andere. Sie machen dem Hirten sehr viel Mühe. Sie weichen ab vom Weg und wollen nicht folgen. Wenn sie trotz aller Bemühungen immer etwas anderes haben wollen oder halsstarrig etwas anderes tun wollen, muss der Hirte sie von der Herde entfernen.

Es gibt eine Rangordnung, die von der Kraft und dem Alter der Tiere abhängt. Vor allem in der Brunftzeit kämpfen Widder gegeneinander und verletzen sich dabei manchmal erheblich, um ihre Position zu sichern. Die Starken stoßen die Schwächeren von den besten Futterplätzen weg. Sie sind zuerst am frischen Wasser und wirbeln mit ihren Füßen den Schlamm auf. Die Schwachen bekommen dann nur noch trübes Wasser zu trinken. Andauernde Machtkämpfe und Eifersüchteleien in der Herde wirken sich sehr schädlich aus. Wegen ihrem eigensinnigen Verhalten kommen sie wiederholt in schwierige Situationen, aus denen der Hirte sie retten muss.

Dummheit Es kommt vor, dass die Schafe auf dem Weg zu einem Fluss mit frischem, kristallklaren Quellwasser unterwegs aus verschmutzten Pfützen trinken. Die Lämmer machen es den Mutterschafen nach. Sie folgen ihrem Eigensinn und trinken aus irgendeiner Pfütze, auch wenn das Wasser mit Würmern und Kot verschmutzt ist. Auf dem Weg zu den saftigsten Gräsern und frischen Wasser trinken sie auch aus diesen verschmutzten Quellen, die erhebliche gesundheitliche Gefahren mit sich bringen.

Der Wunsch des guten Hirten ist es, bestens für das Wohlergehen seiner Schafe zu sorgen. Trotzdem bevorzugen manchen Schafe zweitrangiges Futter und verlassen die guten Weiden. Versuchen die Zäune zu umgehen, da sie jenseits des Zaunes besseres Futter erwarten. Sie geben sich dann mit schlechterem Futter zufrieden als der Hirte für sie vorgesehen hat. Sie haben einen inneren Drang, ihren Durst und Hunger woanders zu stillen, sind immer unruhig und erscheinen unzufrieden. Die meisten Schafe schlagen mit den Füßen aus, und wehren sich dagegen, wenn der Hirte ihnen helfen will.

Unruhe Der Hirte beobachtet das Verhalten seiner Schafe ununterbrochen, um Unruhe frühzeitig erkennen zu können. „Sein Hauptanliegen ist immer, seine Herde ruhig, zufrieden und friedlich zu halten,“ denn dann legen sie sich zum wiederkäuen nieder und gedeihen am besten. Schafe können nicht zur Ruhe kommen, solange sie Angst haben, Spannungen innerhalb der Herde bestehen, sie durch Innen-und Außenparasiten gequält werden oder sie noch hungrig sind. Nur wenn der Hirte sie regelmäßig von diesen Quälgeistern befreit, können sie sich in Ruhe lagern. Im Sommer werden Schafe besonders von Fliegen und Mücken geplagt. Die Nasalfliegen legen ihre Eier in die feuchte Schleimhaut der Nase. Die geschlüpften Würmer dringen dann in die Köpfe vor und verursachen Entzündungen und Schmerzen und im schlimmsten Falle führen diese zur Blindheit. Die Schafe rennen vor diesen den Plagegeistern davon und kommen nicht mehr zur Ruhe.

Nutztiere Bei den Schafen gibt es viele länderspezifische Rassen, die teilweise sehr unterschiedlich aussehen, mit verschieden farbigem Fell. So gibt es unter den Heidschnucken weiße, braune und schwarze Schafe. Schafe sind friedliche Nutztiere, die heutzutage an vielen Orten zur Landschafts- und Deichpflege eingesetzt werden. Darüber hinaus produzieren sie Milch, Wolle, und Fleisch. Die Schafsmilch und die Schafswolle lässt sich zu vielerlei Produkten weiterverarbeiten. Aus Schafsdärmen können Saiten für Tennisschläger und Musikinstrumente hergestellt werden.

Hirte Das Wohl der Schafe liegt in der Verantwortung des Hirten. Schafe sorgen nicht alleine für sich selbst. Ohne guten Hirten verlaufen sich Schafe und werden ohne seine Pflege krank. Wie gut es den Schafen geht, hängt darum vom Hirten ab. An den Schafen erkennt man, wie sehr sich der Hirte um sie kümmert. Er beschützt seine Schafe vor Gefahren, Gewitterstürmen und Dauerregen und versorgt sie mit dem Besten. Der Hirte kennt drei Hauptgefahren: Raubtiere, Reibereien innerhalb der Herde, Insekten und Schmarotzer. Er beobachtet die Schafe den ganzen Tag und bewacht sie nachts.

Am Morgen schaut der Hirte zuerst nach seinen Schafen. Er erkennt sofort, wenn eines krank ist, schwächelt oder nachts gestört wurde. Er untersucht sie regelmäßig auf Ungeziefer und Parasiten und befreit sie davon. Ihr Stall und Fell müssen von Mist und Kot befreit werden. Er führt die Schafe zu frischem, gesundem Wasser und auf Weiden mit dem besten Futter. Er macht einen guten Job, wenn seine Schafe in Sicherheit sind, sie zufrieden, wohlgenährt und gesund heranwachsen. Er hört die Hilfeschreie der Schafe und sucht die Verlorengegangenen. Auf dem Rücken liegende Schafe richtet er so schnell wie möglich wieder auf, da sie sonst verenden oder durch Raubtiere oder Bussarde getötet werden. Der Hirte befreit sein Schafe aus schwierigen Lagen, in die sie aus Dummheit geraten sind. Die Schafe freuen sich über besondere Aufmerksamkeit und Kontakt mir dem Hirten.

Pflege Schafe benötigen regelmäßige Gesundheits- und Körperpflege. Der Hirte lässt sich nicht durch die schöne Wolle täuschen. Regelmäßig untersucht er die Schafe auf Parasiten und Ungeziefer. Mit seinem Stab drückt er das Fell auseinander und tastet den Körper der Schafe ab und beseitigt die die Parasiten und das Ungezeifer. Die Klauen der Schafe müssen regelmäßig kontrolliert und dreimal im Jahr geschnitten werden. Wollschafe müssen einmal im Jahr geschoren werden. Frisch geschorene Schafe sind sehr kältempfindlich und müssen vor Kälte und Nässe geschützt werden. Gegen diese Pflegemaßnahmen wehren sie sich in der Regel mit aller Kraft.

Stab Die Hirten haben nicht viel bei sich. Widerspenstige Schafe werden mit dem Hirtenstab, einem Stecken oder den Hunden wieder zur Herde zurückgetrieben. Mit dem Stab leitet der Hirte seine Schafe behutsam und liebevoll auf den richtigen Weg. Neugeborene Lämmer richtet er mit dem Stab wieder auf, damit sie nicht den Geruch seiner Hände annehmen und vom Muttertier verstoßen werden.

Weide In trockenen Gebieten müssen die Hirten einen großen Aufwand betreiben, um die Schafweiden zuvor herzurichten. Gestrüpp, schädliche Beikräuter, Giftpflanzen oder Wurzeln müssen beseitigt werden. Er sucht nach Spuren von Raubtieren und nach Schutzmöglichkeiten für seine Schafe. Er reinigt Wasserstellen vom Unrat. Trockenes Land muss bewässert werden, damit saftige Weiden entstehen. Ertragreiches, saftiges Weideland betrachtet Keller als einen seiner Erfolgsfaktoren. Schafe kommen erst dann zur Ruhe, wenn Ängste, Spannungen, Ärger und Hunger ausgeschaltet sind. Unruhige Schafe gedeihen nicht richtig. Nur der Hirte kann sie von all diesen Beschwernissen befreien.

Der Hirte geht voraus und bereitet die Weide vor, damit es den Schafen gut geht. Schafe vertilgen Beikräuter, die sich sonst ungehindert ausbreiten und hinterlassen unter fachmänischer Aufsicht ein fruchtbares und von Unkraut befreites Stück Land. Die Weideflächen dürfen nicht zu klein sein. Um Wurmbefall vorzubeugen sollten sie regelmäßig gewechselt werden. Auf der einen Seite verbessern sie mit ihrem Kot den Boden, grasen an der Küste Deiche ab und treten den Deichboden fest. Auf der anderen Seite können sie eine Wiese innerhalb kurzer Zeit ruinieren. Schafe verschmutzen ihren Lebensraum und sich selbst, wenn sie nicht rechtzeitig auf andere Weiden geführt werden. Sie benötigen eine sorgfältige Pflege und eine ausführliche Ordnung damit sie wachsen können. Die Schafe freuen sich und gedeihen gut, wenn sie rechtzeitig auf neue, saftige Wiesen geführt werden. Nahrungsergänzungsmittel, wie Mineral- und Salzlecksteine, stärken ihre Gesundheit. Der Hirte kümmert sich im Winter besonders intensiv um seine Schafe und deren Fütterung.

Schafstall Schafe können das ganze Jahr im Freien leben. Bei extremer Kälte, starker Hitze, Dauerregen oder Unwetter benötigen sie geschützte Unterstellmöglichkeiten. Vor allem frisch geschorene Schafe, Mutterschafe und Lämmer brauchen Wärme. Der Hirte kümmert sich rechtzeitig vor Unwettern und Dauerregen um Schutzmöglichkeiten für seine Schafe.

Stimme Schafe kennen ganz genau die Stimme ihres Hirten und folgen ihr. Staunend habe ich selber erlebt, wie ein Hirte eine weidende Schafherde kommandierte. Die Schafe frasen friedlich Gras als der Hirte plötzlich einen kurzen Laut von sich gab, der sich anhörte wie „Hou“. Sofort und gleichzeitig hörten alle Schafe zu grasen auf und hoben ihre Köpfe. Danach folgte ein kurzes „hou hou“ des Hirten und alle Schafe setzten sich sofort und gleichzeitig in Bewegung und folgten ihrem Hirten, dem sie vertrauen und von dem sie nur den Rücken sehen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Schafe komplexe Gefühle haben, imstande sind bewusst zu denken und unterschiedliche Stresslevels durch ihre Laute ausdrücken können. Lämmer und Mutterschafe können sich durch ihre Laute gegenseitig erkennen. Schafe können sich mindestens 50 Schafgesichter merken und sogar die Gesichter von ihnen vertrauten Menschen. Die Studie hat herausgefunden, dass Schafe in vielen Situationen genauso reagieren wie Menschen.4

 

1Keller, W. Phillip, A Sheperd Looks At Psalm 23, aus dem amerikanischen übersetzt von Gerhard Jahnke,
Psalm 23 – Der gute Hirte, Asslar 1999,

2Keller, S. 17

3http://www.selbstversorger.de/tierhaltung/schafhaltung.html

4Vergl. Keith M. Kendrick, Ana P. da Costa, Andrea E. Leigh, Michael R. Hinton & Jon W. Peirce, Sheep don’t forget a face, Nature 414, 165-166 (8 November 2001)

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