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Der neue Bund

Der neue Bund

Jesus hatte sein letztes Gemeinschaftsmahl mit den Jüngern als symbolische Gründung eines „neuen Bundes“ gestaltet. Nach seinem Tod deuteten seine Jünger sein Sterben als „Opfer„, das diesen Bund besiegelt hat. …. Allein Gott hatte ein Opfer gebracht – ihnen zugute, obwohl sie alle versagt hatten.

Damit wurde eine revolutionäre Veränderung des Opferdenkens eingeleitet. Gewöhnlich dienten „Sühneopfer“ dazu, eine erzürnte Gottheit zu beschwichtigen oder eine verletzte Ordnung wiederherzustellen. Der opfernde Mensch bittet durch Opfer die Gottheit um Versöhnung. Das gilt auch dann, wenn der Opferkult als Institution Gottes gilt, die er den Menschen geschenkt hat, um Sünden zu vergeben. Die neue Sicht umfasst zwei Gedanken:

Bei diesem neuen Opfer wirkt nicht der Mensch auf Gott ein, damit er von seinem Zorn lasse; vielmehr handelt Gott, damit der Mensch von seiner Feindseligkeit gegen Gott und seinen Nächsten abläßt. Nicht Gott, sondern der Mensch soll durch dies Opfer verwandelt werden, nicht Gott, sondern der Mensch soll seinen Zorn, seine asozialen und aggressiven Impulse überwinden….

Das neue Opfer Jesu wurde nicht durch den Tod, sondern durch Überwindung des Todes wirksam.

Gott gab Leben dahin, um es aus dem Tode neu zu schaffen.

Erst Paulus hat dies neue Opferdenken begrifflich erfaßt. Heil wird nicht durch „Beschwichtigung“ eines erzürnten Gottes, sondern durch Überwindung menschlicher Feindschaft geschaffen (vgl. Röm 5,6-11). Heil wird nicht durch Tötung, sondern durch Auferweckung bewirkt (Röm 4,25) Heil beginnt nicht mit der Bitte des Menschen um Versöhnung, sondern mit der Bitte Gottes „Lasset euch versöhnen mit Gott“ (2Kor 5,20).

Auch für Paulus gilt: Dies Heil wurde gegen die „Herrscher dieser Welt“ verwirklicht (1Kor 2,6ff). Beim Verteilungskampf um Herrschaft und Macht geht es darum, anderes Leben für das eigene opfern zu können. Beim Opfertod Jesu aber geht es darum, wie durch das Opfer des Einen Leben möglich wird, das nicht auf Kosten anderen Lebens lebt.“

Theißen, Gerd, Merz, Annette: Der historische Jesus, Göttingen 2001, S. 410

Die Gottesgeburt im Seelengrund

Meister Eckhart predigte die Gottesgeburt im Seelengrund.

Gott will seinen Sohn, ja sich selbst in uns gebähren. Der Vater gebiert seinen Sohn ohne Unterlass und er gebiert  seinen Sohn in der Seele als seiner eigenen Natur.

Die Seele ist in ihrer Natur Gottes Ebenbild. Im tiefen Grund der Seele, in dem Reinsten und edelsten, wo niemals eine Kreatur oder ein Bild hineingelangt, wo das tiefe Schweigen ist, da gelangt nur Gott selber hinein mit seinem eigensten Wesen.

Dieser tiefste  Seelengrund soll sowohl Jungfrau als auch eine reife, gebährfähige Frau sein. Jungfrau heißt für Meister Eckhart frei von allen Bildern, völlige Stille, völlige Leere, vergessen aller Dinge. Frau sein heißt fruchtbar werden durch die Gabe Gottes – Gott empfangen.

Wie gebiert Gott seinen Sohn in der Seele? Nicht wie ein Bild und Gleichnis sondern nur mittels seiner selbst. Gäbe es dort noch irgendein Bild, könnte das Einswerden nicht stattfinden. Durch ein Bild kannst du nicht selig werden.

Es sind leibfreie Kräfte in der Seele, in denen dies alles geschieht. In dieser innersten Quelle ist alles eins.

Kann der Mensch etwas dazutun? Völlige Stille, völlige Leere das ist dein Allerbestes. Soll das Werk vollkommen sein, so muss Gott allein wirken, und du es allein erleiden. Du brauchst nicht nach ihm suchen, er ist nicht weiter als vor der Tür des Herzens. In demselben Augenblick, wo der Geist bereit ist, geht Gott in ihn ein, ohne Zögern und Verzug.

„Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ (Offenbarung 3,20)

Meister Eckhart, Die Gottesgeburt im Seelengrund, Vom Adel der menschlichen Seele, Freiburg i.B. 1990,1999

Ökumene

Der Geist des HERRN weht, wo er will. Nachweislich weht der Geist des HERRN bei den großen Glaubensrichtungen: Juden, Katholiken, Orthodoxen, Protestanten und bei vielen weiteren christlichen Glaubensgemeinschaften. Wie gehen die Religionsführer mit dieser Tatsache um? Wie halten sie es mit der Ökumene? Die Anhänger der einzelnen religiösen Gemeinschaften deuten die Lehren des HERRN unterschiedlich. Jede behauptet von sich, die einzig Richtige zu sein. Viele tendieren dazu, sich abzugrenzen. Sie machen dies immer wieder ausdrücklich deutlich. Dies kann bei Gläubigen zu Unsicherheit, Verwirrung, Glaubenszweifeln und Glaubenskrisen führen. Besonders betroffen sind Ehepartner, die unterschiedlichen Konfessionen angehören. Sie fragen sich: „Was ist denn nun die Wahrheit?“ Ökumene weiterlesen

Glaube

Können Erzählungen Glauben bewirken? Können Wunder Glauben bewirken? Gehören Glaube und Vernunft untrennbar zusammen? Was ich nicht wissen kann, muss ich das glauben? Ist Glaube die nicht begründbare Überzeugung von mir? Steht der Glaube, wie Immanuel Kant meint, als nicht begründbares Fürwahr halten zwischen dem Meinen und dem Wissen? Ist Glauben und Vertrauen dasselbe? Gibt es einen lebendigen Glauben? Wie steht es um ihren Glauben? Worum geht es eigentlich beim Glauben? Lässt sich Glauben lernen? Was heißt glauben wie Kinder? Glaube weiterlesen

Bereuen

Wie gehen wir mit unseren Kindern um, wenn sie sich schmutzig gemacht haben und nach Hause kommen? Wir freuen uns, dass sie wieder da sind, ziehen ihnen ihre schmutzigen Kleider aus, baden sie und ziehen ihnen frische Kleider an. Reden mit ihnen. Geben ihnen zu essen und zu trinken. So behandelt auch der HERR uns, seine Kinder, wenn wir reumütig und offenherzig zu ihm zurückkehren. Ihm alles sagen, was wir falsch gemacht haben. Unsere Fehler aus tiefstem Herzen bereuen. Er verurteilt uns nicht. Wir werden reingewaschen, als ob wir uns nie beschmutzt hätten. Wir werden neu eingekleidet und können ein neues Leben anfangen. Der Geist des HERRN gibt uns den Willen, dass wir uns nicht wieder schmutzig machen wollen.

Geh, und lade von nun an keine Schuld mehr auf dich!